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| 10:18 Uhr

Berliner Republik
Die Groko ringt um eine Bezeichnung für jene, die weder männlich noch weiblich sind.

Während der Jamaika-Sondierungen taten sich mitunter zwischen CSU und Grünen tiefe Gräben auf. Das Unverständnis zwischen den beiden Parteien illustrierte besonders das Wörtchen "queer", das einige Unionsleute "quer" aussprachen, das die kundigen Grünen aber immer nur "quier" aussprechen. Es bezeichnet alle Formen der sexuellen Identität, die nicht hetero sind. Es ist keine so schlimme Bildungslücke, wenn man die Bezeichnung nicht kennt. Es ist noch nicht lange her, da nutzte man "queer", um das nicht-normale abwertend zu bezeichnen. "Queer" war also politisch unkorrekt.

Während der Jamaika-Sondierungen taten sich mitunter zwischen CSU und Grünen tiefe Gräben auf. Das Unverständnis zwischen den beiden Parteien illustrierte besonders das Wörtchen "queer", das einige Unionsleute "quer" aussprachen, das die kundigen Grünen aber immer nur "quier" aussprechen. Es bezeichnet alle Formen der sexuellen Identität, die nicht hetero sind. Es ist keine so schlimme Bildungslücke, wenn man die Bezeichnung nicht kennt. Es ist noch nicht lange her, da nutzte man "queer", um das Nicht-normale abwertend zu bezeichnen. "Queer" war also politisch unkorrekt.

Mittlerweile aber ist das Wörtchen durch den Gebrauch jener geadelt worden, die umfänglich Sensibilität gegen Minderheiten walten lassen. Die Grünen haben sogar eine Sprecherin für Queerpolitik.

Da die Jamaika-Koalition bekanntlich nicht zustande gekommen ist, mussten sich CSU und Grüne auch nicht mehr über Queerpolitik verständigen. Nun taucht der Konflikt aber in anderer Form in der großen Koalition auf.

Künftig sollen Menschen, die weder weiblich noch männlich sind, dies in Ausweispapieren festhalten können. Das CSU-geführte Innenministerium hat dazu den Vorschlag gemacht, die Kategorie "anderes" zu eröffnen. Immerhin hatte der Ethikrat vorgeschlagen, diese zu wählen. Die Beamten mussten glauben, mit der Formulierung die Grenzen der politischen Korrektheit nicht zu sprengen. Justizministerin Katarina Barley und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) finden den Begriff dennoch herabsetzend, wie der "Spiegel" berichtet. Stattdessen schlagen sie vor, "weiteres", "divers" oder "inter" zu wählen. Wo die schmale Grenze zwischen politisch korrekt und herabsetzend bei den Wörtern "anderes" und "weiteres" verläuft, erschließt sich dem Normalo nicht.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)