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Koalitionsverhandlungen
Die Groko muss jünger werden

Die Angst vor einem "Weiter so" bei einer Neuauflage einer großen Koalition ist groß. Dass dies nicht geplant ist, müssen aber nicht nur Merkel, Schulz und Seehofer klar machen, sondern auch die Jungen in Union und SPD. Am besten am Kabinettstisch. Michael Bröcker

Nun soll es schnell gehen. Die Kanzlerin will in einer Woche die Verhandlungen mit der SPD beenden. Sie fürchtet, dass die Bevölkerung die Geduld (mit ihr) verliert. Nicht ganz zu unrecht, denn die langwierige Regierungsbildung zeigt auch die Schwäche der Frau, die die Regierung anführen will.

Und der angeschlagene SPD-Chef Martin Schulz muss rasch einen Vertrag vorlegen, damit die Debatte um seine eigene Rolle in der Partei nicht zu laut wird. Schulz‘ Äußerungen, dass er nie in ein Kabinett Merkel eintreten werde, sind omnipräsent. Er plant dennoch die 180-Grad-Kehrtwende. Keine vertrauensbildende Maßnahme, auch wenn er ein guter Außenminister wäre.

Es geht aber gar nicht um Schulz. Das Kabinett muss jenseits von Merkel, Schulz und Seehofer ein Signal geben, dass kein "Weiter so" geplant ist. Weiblicher, jünger, digitaler. Die geplanten sozial- und rentenpolitischen Verteilungsmaßnahmen sind ein milliardenschwerer Vertrag zu Lasten künftiger Generationen, auch wenn es gute Argumente gibt für eine Grundrente für jene, die wegen Familienbetreuung und Mini-Löhnen kaum vorsorgen konnten.

In der konkreten Regierungsarbeit müssen die Jüngeren in Union und SPD darauf achten, dass dieses Land nicht über seine Verhältnisse lebt, dass es mutig in Zukunftstechnologien und –strukturen investiert. Das geht am besten als Mitglied im Kabinett.