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| 16:27 Uhr

Deutsche Bahn
Die Bahn entschuldigt sich

Zugverspätungen und Zugausfälle sind an der Tagesordnung. Die Bahn gelobt Besserung.
Zugverspätungen und Zugausfälle sind an der Tagesordnung. Die Bahn gelobt Besserung. FOTO: Kathrin Deckart / dpa
Berlin. Technische Fehler und das Wetter hatten für Chaos am Wochenanfang gesorgt. Jetzt stabilisiert sich die Lage allmählich. Werner Kolhoff

Die Bahn arbeitet nach eigener Darstellung mit Hochdruck an der Stabilisierung ihres Fahrplans im Fernverkehr. Spätestens zum Weihnachtswochenende hin soll alles wieder normal verlaufen, sagte Fernverkehrs-Vorstand Birgit Bohle gestern. Die Kunden, die von den Pannen auf der Neubaustrecke Berlin-München betroffen waren, dürfen  mit erheblicher Kulanz rechnen.

Bohle entschuldigte sich schnörkellos für die Fehler. „Wir haben die versprochene Leistung nicht gebracht“, sagte sie. Am Freitag fand die Eröffnung der neuen Strecke und dann am Sonntag „der größte Fahrplanwechsel aller Zeiten“ statt, wie Bohle sagte. „Beides ist nicht gut gelaufen.“

Hauptursache sei das am Sonntag von West nach Ost über das ganze Land ziehende Schneeband gewesen. Es führte zum Beispiel auf der wichtigen Strecke Köln-Frankfurt am Sonntagnachmittag zeitweise zu einer Vollsperrung. Auch habe es bundesweit viele Weichenstörungen gegeben; 16  ICE-Züge seien beschädigt ausgefallen, zwei weitere durch Wildunfälle.  Noch am Montag habe sich das massiv ausgewirkt, weil Züge und Personal an den falschen Stellen gestrandet waren. Inzwischen habe sich die Lage stabilisiert. Die Werkstätten seien kurzfristig um 40 Leute verstärkt worden, es werde „rund um die Uhr“ gearbeitet, um alle Züge wieder auf die Schiene zu bekommen.

Die Probleme auf der Neubaustrecke waren hingegen laut Bohle vor allem technischer Natur, wobei just am Eröffnungstag eine sechsstündige Sperrung wegen eines Suizid bei Ingolstadt für zusätzliche Umleitungen sorgte. Das neue elektronische Zugbeeinflussungssystem ETCS, das mit Funk funktioniert, arbeitete auf etlichen der älteren ICE-1-Züge nicht zuverlässig. Da es auf der Neubaustrecke keine der bisherigen Signalanlagen mehr gibt, mussten sie auf die alte Strecke umgeleitet werden.  Bei den anderen Zugtypen seien diese Probleme nicht aufgetaucht. Zusammen mit Experten des ETCS-Herstellers Alstom sei man jetzt den Fehlern auf der Spur. Alstom-Techniker stünden jetzt rund um die Uhr in Werkstätten bereit. Bohle wollte sich nicht zu möglichen Schadensersatzforderungen äußern, wies aber die Bemerkung Alstoms, es handele sich um „Kinderkrankheiten“, scharf zurück: „Auch fette Masern können sehr unangenehm sein.“

 Während am Sonntag nur 81 Prozent aller Fahrten auf der neuen Strecke stattfinden konnten, waren es am Dienstag  88 Prozent. Die besonders  schnellen „Sprinter“-Züge, die für die Fahrt weniger als vier Stunden benötigen, kamen am Dienstag alle pünktlich an.  Bohle sagte, auch beim ICE 1 handele es sich nicht um ein systematisches Problem, sondern „um eine zu hohe Zahl von Einzelproblemen“. So sei bei einem Zug in der Werkstatt aus Versehen die Größe eines Rads falsch in die Computer eingegeben worden – mit der Folge, dass das Fahrzeug die Geschwindigkeit nicht mehr exakt messen konnte und eine Notbremsung ausgelöst wurde. Bei anderen Zügen sei plötzlich das Display im Führerstand ausgefallen, ebenfalls mit der Folge eines Stillstandes. Es habe zuvor Hunderte von Testfahrten gegeben, beteuerte die Managerin. Den Vorwurf des Chefs der Lokführergewerkschaft GDL, Klaus Weselsky, dass es für die Fahrer auf der Strecke zuvor keinen Probebetrieb gegeben habe, wies Bohle entschieden zurück. Ohne entsprechende Streckenkenntnis dürfe niemand auf den Führerstand, sagte sie.

Auf der neuen Strecke bekommen Fahrgäste für jede Verspätung, die länger als 60 Minuten dauert, den vollen Fahrpreis erstattet und darüber hinaus einen Wertgutschein von mindestens 50 Euro.  Diese Regelung soll bis Ende des Jahres gelten. Üblich sind ansonsten 25 Prozent des Fahrpreises (ab zwei Stunden 50 Prozent).