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| 06:48 Uhr

Bilanz nach „Trident Juncture“
Deutscher General lobt Nato-Super-Manöver

Bildersprache als Militär-PR: Das am 31.10.2018 veröffentlichte Foto der NATO zeigt die Karel Doorman, ein Multifunktionsunterstützungsschiff für amphibische Einsätze, das Mark II Landungsboot mit zwei Landungsfahrzeugen für Personal der Königlich Niederländischen Marine, zwei CH-53E Transporthubschrauber des United States Marine Corps und ein Schützenpanzer CV90 der norwegischen Armee bei einer Landeübung.
Bildersprache als Militär-PR: Das am 31.10.2018 veröffentlichte Foto der NATO zeigt die Karel Doorman, ein Multifunktionsunterstützungsschiff für amphibische Einsätze, das Mark II Landungsboot mit zwei Landungsfahrzeugen für Personal der Königlich Niederländischen Marine, zwei CH-53E Transporthubschrauber des United States Marine Corps und ein Schützenpanzer CV90 der norwegischen Armee bei einer Landeübung. FOTO: dpa / Marco Dorow
Oslo. Rund 50 000 Soldaten, 10 000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe: Die Nato hat beim Großmanöver „Trident Juncture“ ihre Muskeln spielen lassen. Ein deutscher General zieht Bilanz.

Zwei Wochen lang haben sich mehr als 8000 deutsche Soldaten in Norwegen an der größten Nato-Übung seit Ende des Kalten Krieges beteiligt. Ziel des Manövers war es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Haben sich der riesige Aufwand und die Kosten von rund 90 Millionen Euro gelohnt? Fragen an Brigadegeneral Michael Matz (59), der oberster deutscher militärischer Repräsentant bei der Übung war:

Brigadegeneral Michael Matz
Brigadegeneral Michael Matz FOTO: dpa / Mohssen Assanimoghaddam

Herr General Matz, das größte Manöver der Nato seit Ende des Kalten Krieges ist seit diesem Mittwoch Geschichte. Wie ist es aus deutscher Sicht gelaufen?

Matz: Ausgesprochen gut. Das fing mit der strategischen Verlegung eines großen Truppenkontingents mit Schiffen, mit der Eisenbahn und mit Flugzeugen an. Das haben wir seit vielen Jahrzehnten nicht gemacht und das ist hervorragend gelaufen. Dann gab es die eigentliche Übung, wo es um das Zusammenwirken der deutschen Kräfte mit unseren alliierten Partnern ging. Dabei haben wir zunächst einmal die Verzögerung, das heißt die Aufgabe von Raum und Abnutzung des Gegners geübt – und dann den Gegenangriff.

Die bislang letzten Nato-Manöver in diesem Ausmaß gab es vor dem Zerfall der Sowjetunion. Damals gab es bei Manöverunfällen oft Dutzende Verletzte und sogar Tote. Wie sieht in diesem Bereich die Bilanz aus?

Matz: Gottlob hatten wir bisher keine schweren Unfälle zu beklagen. Jetzt geht es aber auch noch darum, die Kräfte wieder geordnet nach Deutschland zurückzuführen. Eine Übung ist immer erst dann zu Ende, wenn alle Männer und Frauen gesund an Leib und Seele an die deutschen Standorten zurückgekehrt sind. Nach derzeitigem Planungsstand werden die letzten Logistiker erst um den 10. Dezember herum in Deutschland zurück sein. Dann werden wir aber auch Zeit haben, die Weihnachtsfeiertage bei unseren Familien zu verbringen.

Das von der NATO veröffentlichte Foto zeigt einen deutschen Schützenpanzer vom Typ Marder, der im Manövergebiet der NATO-Übung Trident Juncture in seine Stellung bei einem Bauernhof fährt.
Das von der NATO veröffentlichte Foto zeigt einen deutschen Schützenpanzer vom Typ Marder, der im Manövergebiet der NATO-Übung Trident Juncture in seine Stellung bei einem Bauernhof fährt. FOTO: dpa / Marco Dorow

Bei Übungen geht es darum zu zeigen, was man kann, aber auch um das Identifizieren von möglichen Schwächen. Was lernt die Bundeswehr aus dieser Übung?

Matz: Dass wir noch schneller werden können. Indem wir zum Beispiel Verfahren entwickeln, um die Truppe noch zügiger in ein anderes Bündnisland zu transportieren. Die Abstimmung mit den multinationalen Partnern hat grundsätzlich gut geklappt. Aber das Wort „grundsätzlich“ ist immer so ein Weichmacher. An dieser Übung haben alle Nato-Partner plus Schweden und Finnland teilgenommen - auch einige Partner, mit denen wir seit Jahrzehnten nicht zusammengearbeitet haben. Mit einigen könnten wir uns für zukünftige Übungen und mögliche Einsätze enger abzustimmen. Interoperabilität ist da das Stichwort.

Was war für Sie persönlich der Höhepunkt der Übung?

Matz: Das waren die Begegnungen mit den Soldatinnen und Soldaten. Wo immer ich deutsche Soldaten getroffen habe hier in Norwegen, habe ich in strahlende Augen geschaut – obwohl es eine fordernde Übung mit schwierigen Geländesituationen und auch schwieriger Witterung mit Temperaturen um den Gefrierpunkt war. Die Motivation war deshalb hoch, weil die Soldatinnen und Soldaten alles hatten, was sie für die Durchführung der Übung brauchten - Großgerät, Waffen, persönliche Ausstattung. Hier konnte man das machen, weshalb man sich entschieden hat, Soldat zu werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) beim Truppenbesuch in Norwegen.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) beim Truppenbesuch in Norwegen. FOTO: dpa / Kay Nietfeld

Russland hat während der Übung selbst Übungen vor der norwegischen Küste angekündigt - offensichtlich in Reaktion auf die Nato-Übung. Hat das den Manöververlauf beeinflusst?

Matz: Überall dort, wo deutsche Kräfte eingesetzt waren, hat es keine Einschränkung gegeben. Ich will nicht ausschließen, dass wir beobachtet worden sind bei unseren Marschbewegungen. Aber das ist normal, denke ich. Mir sind zu keiner Zeit Dinge gemeldet worden, wo wir in der Übung behindert oder eingeschränkt waren.

Mit Michael Matz sprach Ansgar Haase

(dpa/bob)