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Iglu-Studie zu Lesefähigkeiten
„Wir verschleudern Potenzial“

Immerhin 70 Prozent der Schüler lesen auch außerhalb des Unterichts: Das ist eines der erfreulichen Ergebnisse der Studie.
Immerhin 70 Prozent der Schüler lesen auch außerhalb des Unterichts: Das ist eines der erfreulichen Ergebnisse der Studie. FOTO: Felix Heyder / dpa
Berlin. Deutsche Grundschüler lesen laut einer aktuellen Untersuchung schlechter – aber nicht alle. Hagen Strauß

Licht und Schatten beim Lesen – so lässt sich aus deutscher Sicht das Ergebnis der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) am besten zusammenfassen. Sie wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt. Demnach gibt es mehr leistungsstarke, aber auch mehr leistungsschwache Schüler. Im internationalen Vergleich ist Deutschland zurückgefallen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Studie.

Wie gut lesen die Grundschüler?

Fast jeder fünfte Schüler im Alter von rund zehn Jahren erreicht nur eine der beiden unteren Kompetenzstufen auf einer insgesamt fünfstufigen Skala. Erst ab Stufe drei, so gestern Studienleiter Wilfried Bos von der Technischen Uni Dortmund, könne man überhaupt davon sprechen, dass ein Schüler lesen könne. Gleichzeitig stieg aber auch die Zahl der besonders lesestarken Viertklässler von 8,6 Prozent (2001, dem Jahr der ersten Studie) auf 11,8 Prozent (2016). Diese Schüler sind in der Lage, Textinformationen zu ordnen und selbstständig zu interpretieren.

Wo stehen deutsche Schüler im internationalen Vergleich?

Andere Länder haben Deutschland überholt. So landen die hiesigen Schüler – insgesamt 4277 Viertklässler nahmen an der Studie teil – im Ländervergleich nicht mehr im oberen Drittel, sondern eher im guten Mittelfeld.  Gab es 2001 nur vier Länder, die signifikant besser abschnitten, waren 2016 über 20 Länder besser. „Das ist eine Menge“, so Bos. Insgesamt nahmen 57 Staaten und Regionen teil.

Ganz oben im Ranking befinden sich Russland und Singapur, vor Honkong und Irland sowie Finnland und Polen. Direkt hinter Deutschland liegen Kasachstan, Slowakei und Israel. Den letzten Platz belegt Südafrika.

Wie steht es um die Motivation der Schüler?

„Die Lesemotivation ist generell gut“, befand Experte Bos. So lesen gut 70 Prozent der Schüler ein- bis zweimal die Woche außerhalb der Schule zu ihrem Vergnügen. Das sind allerdings fünf Prozent weniger als noch 2001. Mädchen tun dies wie immer etwas häufiger als Jungen, ebenso Kinder ohne Migrationshintergrund.

Rund 17 Prozent gaben an, nie oder fast nie außerhalb der Schule zu lesen. Im Vergleich zu 2001 hat sich ihr Anteil nicht signifikant verändert.  Die Hälfte aller Schüler leiht sich übrigens ein- bis zweimal im Monat Bücher in einer Bibliothek aus. Gleichwohl gibt es laut Studie in fast allen Staaten einen Rückgang bei der Bibliotheksnutzung.

Welcher Faktor beeinflusst das Lese-
verhalten vor allem?

Wie fast immer im Bildungsbereich hat die soziale Herkunft den stärksten Einfluss. In Familien, bei denen es viele Bücher gibt und die Eltern höher qualifizierte Berufe ausüben, können die Grundschüler deutlich besser lesen und mit Texten umgehen. „Damit gehört Deutschland weiterhin zu den Staaten, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen“, heißt es in der Studie. Kurzum: Die Grundschulen schaffen es nicht, die Nachteile auszugleichen und für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen. Da die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund an den Schulen in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, wird sich nach Ansicht der Experten auch das Problem verschärfen.

Was schlagen die Studienmacher vor?

Lehrer besser zu bezahlen, bedeute auch an den Grundschulen mehr Qualität, so die einfache Rechnung von Studienleiter Bos. Darüber hinaus müsse es mehr gezielte Unterstützung von leseschwachen und lesestarken Schülern geben. „Wir müssen an beiden Enden ansetzen“, meinte der Forscher. Es gebe schließlich eine Lust aufs Lesen. „Aber ganz offensichtlich verschleudern wir Potenziale.“

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Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Susanne Eisenmann (v.l.), Bildungsforscher Wilfried Bos und Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin am Bundesministerium für Bildung stellten die Ergebnisse der Studie vor.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Susanne Eisenmann (v.l.), Bildungsforscher Wilfried Bos und Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin am Bundesministerium für Bildung stellten die Ergebnisse der Studie vor. FOTO: Britta Pedersen / dpa