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Deutlich mehr Stickoxide als berechnet?

Wo in Zukunft Autos in einer Unterführung verschwinden werden, zeigt sich aktuell ein Wasserbecken auf der Baustelle der A100 in Neukölln.
Wo in Zukunft Autos in einer Unterführung verschwinden werden, zeigt sich aktuell ein Wasserbecken auf der Baustelle der A100 in Neukölln. FOTO: dpa
Berlin. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat beantragt, den Beschluss für den Weiterbau der Stadtautobahn A100 im Lichte der Diesel-Enthüllungen zu revidieren. Die Landesgruppe der Umweltschützer argumentiert, der Planfeststellungsbeschluss sei auf Basis falscher Emissionswerte zustande gekommen. dpa/roe

Deshalb habe der BUND beim Berliner Senat beantragt, das Verfahren wieder aufzunehmen und den Beschluss zu ändern oder aufzuheben, teilte der Umweltverband am Mittwoch mit.

Der BUND beruft sich dabei auf neue Referenzwerte des Umweltbundesamtes. Demnach seien die Emissionen an gesundheitsschädlichen Stickoxiden teilweise 92 Prozent höher anzusetzen als in bisherigen Rechnungen, schrieb der BUND. Deshalb müsse der Senat die Schadstoffbelastung an dem neuen Autobahnstück, an dem bereits gebaut wird, neu berechnen. Mehrere Automobilhersteller stehen im Verdacht, dass ihre Autos deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als angegeben. "Das gesamte A100-Vorhaben muss noch einmal auf den Prüfstand", hieß es in der Mitteilung des BUND. Die derzeit gebaute Verlängerung der A100 führt vom Autobahndreieck Neukölln nahe der Grenzallee bis zum Treptower Park. Seit 2013 rollen dort die Bagger, fertig soll das 3,2 Kilometer lange Teilstück bis 2022 sein.

Die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr bestätigte den Eingang eines entsprechenden Antrags. Dieser werde nun geprüft, sagte ein Sprecher. Der BUND weise "mit seiner Initiative auf eine mögliche Folge des Dieselskandals hin, die von grundsätzlicher Bedeutung ist". Ob die zusätzliche Luftbelastung die Planfeststellung für die A100 infrage stellen könne, sei "juristisch sehr fraglich". Dennoch mache der BUND deutlich, "welche Unwägbarkeiten sich mit den Manipulationen der Autoindustrie verbinden können".