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| 10:21 Uhr

Düsseldorf
Der streitbare Polizist geht von Bord

Düsseldorf. Arnold Plickert, der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, geht nach 40 Jahren in Pension. Sein Nachfolger wird heute gewählt. Christian Schwerdtfeger

Arnold Plickert, der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, geht nach 40 Jahren in Pension. Sein Nachfolger wird heute gewählt.

Arnold Plickert hat sich ein Foto seines Afghanistanbesuchs an eine Wand seines Düsseldorfer Büros gehängt. Der scheidende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen ist vor einiger Zeit am Hindukusch gewesen, um sich die Ausbildung der dortigen Polizei durch seine deutschen Kollegen anzuschauen. Ein beeindruckendes Erlebnis sei das gewesen, sagt der 61-Jährige. "Es ist schon toll, was dort geleistet wird", sagt er. "Darum ist mir das Bild auch so wichtig."

Plickert hat in seiner fast auf den Tag genau 40-jährigen Dienstzeit bei der Polizei viel erlebt; die vergangenen fünfeinhalb Jahre hat er sich als Gewerkschaftsvorsitzender der GdP, der mit 41.000 Mitgliedern größten Polizeigewerkschaft in NRW, für die Belange seiner Kollegen eingesetzt. Immer ehrlich. Immer fair. Und vor allem: immer kämpferisch. Ein streitbarer Gewerkschafter und Polizist durch und durch.

Er ist Zug- und Hundertschaftsführer gewesen, hat die Castor-Transporte in Gorleben gesichert und zahlreiche Fußballeinsätze geleitet. Dabei ist ihm ein Erlebnis bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland besonders in Erinnerung geblieben. Beim Vorrundenspiel der Deutschen in Dortmund gegen Polen hat er vor dem Anpfiff vor der Kabine der Nationalmannschaft gestanden. "Plötzlich kamen die Spieler raus. Mit einer Anspannung im Gesicht. Der Jens Lehmann hat immer einen Ball gegen die Wand geworfen. Der war vielleicht fokussiert. Das hautnah mitzuerleben, war selbst für mich sehr aufregend." Plickert hat es als aktiver Fußballer immerhin in die Oberliga geschafft - als Verteidiger beim DSC Wanne-Eickel.

Nun hört er auf, weil er bald die Pensionsgrenze von 62 Jahren erreichen wird. Innerhalb der Polizei hätten es viele begrüßt, wenn er noch ein paar Jahre drangehängt hätte. Wer der Nachfolger des gebürtigen Wanne-Eickelers wird, entscheidet sich heute auf dem Delegiertentag der GdP in Düsseldorf, auf der es zu einer Kampfkandidatur zwischen den beiden Kommissaren Michael Mertens und Volker Huß kommen wird.

Morgen wird es dann noch einen großen Festakt zum 70-jährigen Bestehen der GdP geben, zu dem auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erwartet wird. "Es gibt keinen besseren Rahmen, um aufzuhören", sagt Plickert. Für die Zeit danach hat er schon Pläne. Er will Schöffe am Bochumer Landgericht werden. Seine Erfahrung dort einbringen. An erster Stelle wird aber seine Familie stehen, die, wie er einräumt, aufgrund seiner Arbeit in den vergangenen Jahren oft zu kurz gekommen ist. Er freut sich darauf, wieder häufiger mit seinem Sohn und seiner Tochter zum VfL Bochum zu gehen, mit ihnen eine Bratwurst zu essen und ein Bierchen zu trinken.

"Ohne den Rückhalt meiner Familie hätte ich die Arbeit all die Jahre in der Form nicht machen können", sagt der 61-Jährige, der während seiner Amtszeit täglich von Wanne-Eickel mit dem Auto nach Düsseldorf gefahren ist.