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| 14:16 Uhr

Gipfel zwischen Trump und Kim Jong Un
Der "senile Amerikaner" und der "kleine Raketenmann"

Kim Jong Un und Donald Trump.
Kim Jong Un und Donald Trump. FOTO: afp
Über Monate haben sich Donald Trump und Kim Jong Un rhetorische Fernduelle geliefert, sich bedroht, beschimpft, beleidigt. Jetzt wollen sich der "kleine Raketenmann" - Trump über Nordkoreas Machthaber - und der "geistig umnachtete senile Amerikaner" - Kim über den US-Präsidenten - an den Verhandlungstisch setzen.

Es wäre eine historische Begegnung und eine spektakuläre Wende im Konflikt um Pjöngjangs Atomprogramm. Doch ob das Treffen wirklich zustande kommt, ist noch völlig offen. Und auch wenn es Lob von Großmächten wie China und Russland gibt und Bundeskanzlerin Angela Merkel von einem "Hoffnungsschimmer" spricht - Experten habe starke Zweifel an den Erfolgsaussichten der Initiative. Sie glauben, dass Trump sich von Kim über den Tisch ziehen lässt.

"Nordkorea will seit mehr als 20 Jahren einen Gipfel mit einem US-Präsidenten", sagt der Korea-Experte Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies. Kim wolle keineswegs atomar abrüsten - er wolle vielmehr der Welt zeigen, dass der US-Präsident ihn wegen des Atomwaffen- und Raketenprogramms als "ebenbürtig" behandeln müsse.

Auch Evan Medeiros, einst Asien-Berater des früheren US-Präsidenten Barack Obama, sieht in Kims Vorschlag für ein Treffen mit Trump vor allem den Versuch, Nordkorea als "de-facto-Atommacht" anerkennen zu lassen.

Noch nie hat ein amtierender US-Präsident einen nordkoreanischen Machthaber getroffen. Kims Vater Kim Jong Il hatte nach dem ersten Gipfel zwischen Nord- und Südkorea im Jahr 2000 den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton eingeladen - doch dieser lehnte ab.

"Trumps Eitelkeit ausgenutzt"

Kim Jong Un sei ein "geschickter Manipulator", sagt Medeiros. Der starke Mann an der Spitze des international isolierten Nordkorea habe vermutlich "Trumps Eitelkeit als selbsternannter weltbester Macher von Deals ausgenutzt", um ihn von einem Treffen zu überzeugen.

Dabei fehlt es der US-Regierung derzeit ganz eindeutig an Sachkenntnis. Der Posten des US-Botschafters in Seoul beispielsweise ist seit mehr als einem Jahr nicht besetzt, mehrere wichtige Korea-Experten haben das State Departement zuletzt verlassen. Und Nordkoreas Diplomaten gelten als harte und gewiefte Verhandler.

Einige Beobachter sehen die Offerte aus Pjöngjang durchaus als Einlenken. Die US-Drohungen eines militärischen Vorgehens - so drohte Trump Nordkorea eine "völlige Zerstörung" an - zeigen demnach ebenso Wirkung wie die verschärften Sanktionen gegen das Land, insbesondere durch Nordkoreas wichtigsten Verbündeten China.

Seit Wochen herrscht Tauwetter zwischen den seit Jahrzehnten verfeindeten koreanischen Staaten, Südkoreas Präsident Moon Jae In setzt auf eine Annäherung durch Dialog. Als Erfolg wird auch gewertet, dass Nordkorea während der Dialogphase angeblich keine Atomwaffen- oder Raketentest vornehmen will.

Wasserstoffbombe getestet

Allerdings hatte Pjöngjang im vergangenen Jahr bei seinem bislang größten Atomwaffentest eine Wasserstoffbombe getestet und verfügt nach eigener Darstellung inzwischen über Interkontinentalraketen, die das US-Festland erreichen können. Kim sieht sein Land bereits als Atommacht - da wäre ein vorläufiger Teststopp kein großes Zugeständnis.

Nordkorea wolle auf Zeit spielen, sagt Andrej Lankow von der Korea Risk Group. "Die Nordkoreaner werden viel über eine Denuklearisierung sprechen, ohne jede Absicht, jemals ihre Atomwaffen abzugeben."

Auch Abraham Denmark vom Forschungsinstitut Wilson Center setzt keine großen Hoffnungen in ein mögliches tête-à-tête zwischen Kim und Trump: "Kim wird den Traum seines Vaters und seines Großvaters vollenden, indem er Nordkorea zu einem Atomstaat macht und durch ein Treffen mit einem US-Präsidenten auf Augenhöhe gewaltiges Prestige und gewaltige Legitimität gewinnt." Und das alles, ohne auch nur auf einen einzigen Sprengkopf oder eine einzige Rakete zu verzichten.

(csr)