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| 08:14 Uhr

Persönlich Richard Grenell
Der neue US-Botschafter ist ein Trump-Fan

Er zitiert gern Österreichs Kanzler Kurz und gehört zu den frühen konservativen Unterstützern Donald Trumps. Nun wird Richard Grenell (51) US-Botschafter in Berlin.

Er zitiert gern Österreichs Kanzler Kurz und gehört zu den frühen konservativen Unterstützern Donald Trumps. Nun wird Richard Grenell (51) US-Botschafter in Berlin.

Die Glückwünsche von Gesundheitsminister Jens Spahn vom konservativen Flügel der CDU zur Bestätigung als US-Botschafter ließ Richard Grenell online nicht lange unbeantwortet: "Thanks Jens!" Dieser offene Twitter-Austausch erlaubte einen Blick auf ein längst funktionierendes Netzwerk. Seit 15 Monaten weiß der konservative Kommentator und Politik-Berater, dass Trump ihn auf den Chefposten am Brandenburger Tor bringen will. Doch erst verstärkter Druck machte den Weg kurz vor dem USA-Besuch der Kanzlerin für ihn frei. Der Senat gab mit 56 gegen 42 Stimmen grünes Licht.

Die Zeit zwischen seiner Nominierung im September vergangenen Jahres und dem nun fälligen Kofferpacken in Kalifornien hat Grenell genutzt, sich einerseits von Tweets zu distanzieren, die ihm den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit eingetragen hatten - Abfälliges über Hillary Clinton sei nur lustig gemeint gewesen, aber leider nicht so verstanden worden. Andererseits schärfte er sein Profil als Freund klarer Ansagen - auch und gerade gegenüber der Bundesregierung in Berlin. So twitterte er, auch Deutschland hätte sich an der Seite der USA, Großbritanniens und Frankreichs am Vergeltungsschlag gegen Ziele in Syrien beteiligen sollen.

Grenell, der vor wenigen Jahren eine Krebserkrankung überstanden hat, hatte bereits dem in gleichgeschlechtlicher Ehe lebenden Spahn bei dessen Einzug ins Gesundheitsministerium gratuliert. Nun kamen die Glückwünsche zur Berufung als Botschafter nicht nur von Spahn, sondern auch von der amerikanischen Radiomoderatorin und lesbischen Feministin Tammy Bruce. Sie feierte den offen in gleichgeschlechtlicher Beziehung lebenden Grenell im Botschafteramt als "Meilenstein in der Schwulen-Geschichtsschreibung". Bei seiner Anhörung im Senatsausschuss hatte Grenell selbst seine langjährige Partnerschaft mit Matt Lashey angesprochen und klargestellt: "Ohne Matts Hingabe und Hilfe wäre ich nicht in der Lage, dem Präsidenten und dem amerikanischen Volk zu dienen."

Grenell war Sprecher des damaligen UN-Botschafters John Bolton. Der ist jetzt Trumps Sicherheitsberater. So dürfte der Draht zwischen der Berliner Botschaft und dem Weißen Haus kurz, das Verhältnis vertraulich sein. Auch deshalb hält es der neue deutsche USA-Beauftragte Peter Beyer für eine gute Nachricht, dass es nach langer Vakanz wieder einen obersten Repräsentanten der USA in Deutschland geben wird. Er freue sich "gerade in Zeiten schwierig gewordener transatlantischer Beziehungen auf eine enge und gute Zusammenarbeit", sagte Beyer unserer Redaktion. Gregor Mayntz

(RP)