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Frankreich
Das neue Leben des François Hollande

Paris. Fünf Monate nach seinem Auszug aus dem Elysée-Palast zeigt sich François Hollande erstmals offen mit seiner Partnerin Julie Gayet. Der Politik hat der Ex-Präsident noch nicht entsagt. Von Christine Longin

Vorbei sind die geheimen Liebestreffen in der Pariser Rue du Cirque. Vergessen die Zeiten, als François Hollande sein Gesicht unter einem Motorradhelm versteckte, um seine neue Flamme Julie Gayet zu sehen, während ein paar Meter weiter im Elysée-Palast die offizielle First Lady Valérie Trierweiler die Untreue des Präsidenten nur ahnen konnte. Gut drei Jahre später ist Hollande nicht mehr Staatschef und Julie Gayet offiziell die Frau an seiner Seite. Happy End für die „Frau im Schatten“, wie sie sich selbst nannte. Denn der 63-Jährige tat sich schwer damit, seine Beziehung zu der 18 Jahre jüngeren Schauspielerin öffentlich zu machen. Erst diese Woche veröffentlichte die Zeitschrift „Paris Match“ Fotos vom ersten öffentlichen Auftritt des Paares.

„Er war Präsident, sie war diskret. Heute ist die Liebe eine einfache Sache geworden“, schreibt das Magazin zu einem Bild, das Hollande und Gayet im Schloss Hardelot bei der Aufführung eines Musicals zeigt. Wie es dem in Liebesdingen spröden Hollande entspricht, ist auf dem Foto kein Händchen haltendes Paar zu sehen. Statt dessen beugen der Ex-Präsident und seine Partnerin sich über ein Buch. Dennoch berichten Augenzeugen von einer harmonischen Beziehung: „Sie schauen sich oft an und wirken sehr vertrauensvoll miteinander.“

Gayet musste lange auf das offizielle Coming Out warten. Dabei hatten Paparazzi längst Fotos der beiden im Garten des Elysée und im Park der Wochenendresidenz La Laterne veröffentlicht. „Sie leidet unter dieser Situation“, gestand Hollande zwei „Le Monde“-Journalisten, die aus den Gesprächen mit dem Staatschef vor einem Jahr das viel beachtete Buch „Un président ne devrait pas dire ça…“ machten. Darin stellte der Sozialist klar, dass es auch im Falle einer zweiten Amtszeit keine offen gelebte Partnerschaft mit der stets lächelnden 45-Jährigen geben werde.

„Er ist aufgeblüht“

Von der zweiten Amtszeit verabschiedete sich der als Präsident extrem unbeliebte Hollande am 1. Dezember, als er auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Ein Moment, der auch Julie Gayet nahe ging. „Ich habe in dem Moment viel geweint“, gestand sie hinterher. Doch mit dem Auszug Hollandes aus dem Elysée begann für den Staatschef ein neues Leben. Im Sommer machte er Urlaub mit Gayet in Südfrankreich. Inzwischen fand das Paar ein Haus im Norden von Paris für eine gemeinsame Zukunft. „Er ist aufgeblüht“, sagt einer seiner Freunde dem Magazin „VSD“. „Julie Gayet ist wunderbar, ganz anders als die Anderen.“

Die Anderen, das sind Valérie Trierweiler und Hollandes langjährige Lebensgefährtin Ségolène Royal. „Ségo“, die Mutter seiner vier Kinder, sei diejenige, die ihn am besten kenne, sagte er im vergangenen Jahr. Sie sei auch der Gegenstand der Eifersucht von Valérie Trierweiler gewesen, die in einem Enthüllungsbuch schonungslos mit ihrem Ex abrechnete.

Solche Dramen scheinen für Hollande nun der Vergangenheit anzugehören. Was ihn dagegen weiter begleitet, ist die Politik. Von seinem Büro in der Pariser Rue de Rivoli aus leitet der Ex-Präsident seine Stiftung „La France qui s’engage“ und empfängt Politiker und Prominente. Bei seinen Auftritten kritisiert er inzwischen offen den „brutalen“ Kurs seines Nachfolgers Emmanuel Macron. So sagte er vor zehn Tagen bei einer Konferenz in Seoul zur Abschaffung der Vermögenssteuer, die sein politischer Ziehsohn durchsetzte: „Wenn sich in einem Land die Idee festsetzt, dass es eine abgespeckte Steuer für die Reichen und eine höhere für die Armen oder die Mittelschicht gibt, dann ist die Produktivität des Landes in Frage gestellt.“ Seine eigene Amtszeit will Hollande in einem Buch aufarbeiten, das nächstes Jahr erscheinen soll. Von seinem Privatleben dürfte darin allerdings nicht die Rede sein.