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| 17:01 Uhr

Reaktionen auf WM-Desaster
„Nicht unsere WM“

Ein bisschen Ablenkung: Bundestagsabgeordnete in der CDU/CSU-Fraktion haben bei einer Sitzungsunterbrechung auf einem Tablet Computer ein bisschen Fußball-WM geguckt.
Ein bisschen Ablenkung: Bundestagsabgeordnete in der CDU/CSU-Fraktion haben bei einer Sitzungsunterbrechung auf einem Tablet Computer ein bisschen Fußball-WM geguckt. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin. Das Debakel der Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland drückt auch in der Politik auf die Stimmung. Von Hagen Strauss

Nach dem historischen WM-Aus der deutschen Elf trat der Sportminister mit ernstem Gesichtsausdruck im Bundestag vor die Mikrofone. „Jetzt sind wir mal nicht auf der Sonnenseite“, sagte Horst Seehofer. Auf die Frage nach der Zukunft von Chefcoach Jogi Löw antwortete der CSU-Mann: „Der Bundestrainer hat uns großartige und schöne Stunden beschert.“

Das klang nach einer Aufforderung an Bundestrainer Joachim Löw, weiterzumachen. Eine, die Angela Merkel vermutlich auch gerne mal wieder aus Seehofers Mund hören würde.

Im Parlament herrschte am Donnerstag nach dem Debakel geknickte Stimmung. Manch ein Abgeordneter hatte sich zum Spiel gegen Südkorea extra das Trikot der Nationalmannschaft angezogen. Nach der Niederlage wurde dann während der nächtlichen Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss gescherzt, aus Frust werde man jetzt jeden Etat weggrätschen. So kam es zum Glück nicht. Auch beim Spiel bewiesen einige Parlamentarier (Galgen-)Humor, zum Beispiel der Grüne Cem Özdemir. „Wenn ich gerade für harten Grenzschutz bin, dann vor dem deutschen Strafraum gegen Südkorea“, scherzte Özdemir.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier meldete sich auch zu Wort. „Wir sollten herausfinden, wo die Fehler waren“, sagte er. „Wo haben wir Chancen vergeben und was können wir tun, um im nächsten Turnier präsent zu sein?“ Noch vor der Partie hatte Steinmeier auf einen 2:0-Sieg für Deutschland gesetzt. Es kam umgekehrt. 2:0 für Südkorea. Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich ebenfalls enttäuscht. Alle seien „sehr traurig“, sagte sie. Merkel und Jogi Löw gelten als eng miteinander verbunden, die Kanzlerin ist sogar so etwas wie ein Maskottchen der Nationalelf. Vor Beginn der Weltmeisterschaft hatte sie das Team noch im Schweizer Trainingslager besucht und sich optimistisch zum Abschneiden beim Turnier gezeigt. Am Donnerstag twitterte ihr Sprecher Steffen Seibert: „Nicht unsere WM – ist das traurig! Es kommen auch wieder Turniere, bei denen wir jubeln werden.“

Wenn die Nationalmannschaft so eine Pleite hinlegt, dann schreckt das auch die Politik auf. Manch einer aus der Opposition unkte auf den Gängen des Reichstages, da es nun mit Jogi Löw und seinem Team bergab gegangen sei, werde Merkel vielleicht ein ähnliches Schicksal ereilen. Da könnte etwas dran sein, schließlich gibt es das Zusammenspiel von Politik und Fußball. Und für Merkel läuft es derzeit wegen des Flüchtlingsstreits nicht sonderlich gut. Aus der SPD kam jedenfalls der Ratschlag, sich jetzt nicht hängen zu lassen. „Hingefallen? Wieder aufstehen und Kopf hoch! Gilt für alle Lebenslagen“, so Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel bei Twitter.

Einer mit besonders viel Ahnung, und zwar der Kapitän des Abgeordneten-Teams „FC Bundestag“, Marcus Weinberg (CDU), urteilte: „Nach der WM ist nun vor der EM.“ Das Ausscheiden sei leider verdient gewesen, so Weinberg zur RUNDSCHAU. „Man muss gerade im Fußball gewisse Dinge, also Siege, auch unbedingt wollen.“ Er riet Jogi Löw, nicht übereilt eine Entscheidung über seine Zukunft  als Nationaltrainer zu treffen. „Die Ergebnisse des Turniers sind jetzt erst mal sacken zu lassen und in Ruhe zu bewerten.“ Weinberg hat leicht reden – bei der Europameisterschaft der Parlamentarier belegte sein Team im Mai den dritten Platz.