| 17:50 Uhr

Jamaika-Sondierungen
„Warum soll man einer Wende hinterherhecheln?“

Will die Landwirtschaft in Deutschland halten: Christian Schmidt.
Will die Landwirtschaft in Deutschland halten: Christian Schmidt. FOTO: Maurizio Gambarini / dpa
Berlin. Der Bundesagrarminister und CSU-Vize über über die Jamaika-Verhandlungen in Berlin und Geschlossenheit.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erteilt Forderungen der Grünen nach einer Agrarwende eine Absage. Sie sei nicht notwendig, so der Minister im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Zugleich fordert Schmidt, der auch stellvertretende CSU-Vorsitzender ist, von seiner Partei mehr Geschlossenheit.

Herr Minister, zuletzt hat es Annährungen beim Thema Landwirtschaft gegeben. Wo sehen Sie nun noch die Knackpunkte?

Schmidt Annäherung gibt es bei dem Ziel, die Landwirtschaft in Deutschland zu halten und sie nicht ins Ausland zu treiben. Wir dürfen es mit den Anforderungen an unsere Bauern nicht überziehen. Wie wir das Ziel erreichen und wie wir die deutschen Landwirte in Europa wettbewerbsfähig halten, darüber bestehen noch ziemlich unterschiedliche Vorstellungen.

Bei den Grünen ist viel von Agrarwende und Ende der Massentierhaltung die Rede.  Wollen Sie demgegenüber alles beim Alten belassen?

Schmidt Warum soll man einer Wende hinterherhecheln, die man nicht für notwendig erachtet? Ich arbeite beständig an Verbesserungen in der Landwirtschaft. Beim Tierwohl haben wir beispielsweise mit dem staatlichen Tierwohllabel einen wichtigen Schritt gemacht. Oder denken Sie an die Verbesserungen bei den Düngeregelungen, an denen auch schon die Grünen über den Bundesrat beteiligt waren. Mein Ziel ist ein umsetzbarer, vernünftiger Weg – lieber Agrarzukunft als Agrarwende.

Was ist für die CSU nicht verhandelbar?

Schmidt Unsere klaren Positionen bei der Migration, die Entlastung von kleinen und mittleren Einkommen, eine bessere Familienpolitik, aber auch eine realistische, nicht von Ideologie geprägte, Agrarpolitik, stehen im Grundsatz nicht zur Disposition.

Es heißt, die Grünen wollen ihr Ministerium übernehmen, falls Jamaika kommt. Wie nervös macht Sie das?

A: [lacht] Ich verstehe Ihre Frage nicht. Aber im Ernst: Wir reden jetzt nicht über Posten sondern über Inhalte.

Sie sind auch CSU-Vize. Wie bewerten Sie derzeit den Zustand ihrer Partei?

Schmidt Ich habe sie schon in besserer Verfassung erlebt, aber da werden wir auch wieder hinkommen. Da bin ich zuversichtlich. Geschlossenheit ist nicht nur das Gebot der Stunde, sondern auch unsere Aufgabe für die Zukunft. Überzeugungsarbeit – auch beim Wähler – leistet man am besten mit gemeinsamen inhaltlichen Positionen.

Schwächt der Machtkampf zwischen Markus Söder und Horst Seehofer nicht die Position der CSU in den Sondierungen?

Schmidt Jetzt gilt es, sich mit voller Kraft auf die Sondierungen in Berlin zu konzentrieren. Und eine Empfehlung an alle die, die sich um unser Wohlbefinden sorgen: Unterschätzt die CSU nicht. Sie ist allemal in der Lage, gemeinsam für ihre Inhalte zu kämpfen.

Mit Christian Schmidt
sprach Hagen Strauß