2000 Flughafenmitarbeiter aus dem Ausland sollten die Personalnot an deutschen Flughäfen lindern. Doch bisher hat nur ein einziger Bewerber die dafür nötigen Unterlagen beisammen. Bei der Dienstleistung Ver.di heißt es, dieses Ergebnis sei „erwartbar“ gewesen.
„Bundesregierung und Luftfahrtbranche haben unterschätzt, wie lange es dauert, bis jemand aus dem Nicht-EU-Ausland eine Arbeitsgenehmigung in Deutschland bekommt. An diesem Zustand hat sich in den vergangenen Wochen im Grundsatz nichts geändert“, sagt Dennis Dacke von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di dieser Zeitung.

44 wollen kommen, nur einer hat die Unterlagen beisammen

Laut Auswärtigem Amt haben bisher 44 potenzielle Arbeitskräfte ein Visum beantragt, nur ein einziger Antragsteller konnte die notwendige Sicherheitsüberprüfung für die Tätigkeit etwa bei der Gepäckabfertigung oder bei der Sicherheitskontrolle vorweisen. Der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister rechnet immerhin noch mit bis zu 250 Hilfskräften, die als Saisonkräfte bald an deutschen Flughäfen loslegen könnten.
Vor allem wegen Personalmangels waren in den vergangenen Wochen in Deutschland Tausende Flüge ausgefallen. Ende Juni versprachen drei Kabinettsmitglieder – Innenministerin Nancy Faeser, Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) – Abhilfe, indem Arbeitskräfte aus der Türkei rekrutiert werden sollten. Wissing sagte damals, es müsse „alles ausgelotet werden, was man tun kann“, um unbürokratisch Hilfe auch aus dem Nicht-EU-Ausland zu holen. Der Plan war, kurzfristig Arbeitserlaubnisse zu erteilen sowie die Sicherheitsüberprüfung an den Flughäfen und die Visavergabe zu beschleunigen.

Es gebe immer noch zu viele Hürden, moniert der Ver.di-Experte

Doch umgesetzt wurde dieser Plan offenbar gar nicht oder nur in Teilen. „Wir haben schon damals, als die Idee aufkam, gesagt, dass man die Abfertigungsprobleme an den deutschen Flugplätzen nicht mit schnell rekrutiertem Personal aus dem Ausland lösen kann, und so ist es auch gekommen“, sagt Ver.di-Mann Dacke. Bei der Vielzahl von Hürden sei die Zahl der Beschäftigten, die man ins Land holen will, viel zu hoch geschätzt gewesen.
Um die Probleme an den Flughäfen wenigstens mittelfristig in den Griff zu bekommen, wären laut Dacke „höhere Löhne wichtig, genauso wie attraktivere Arbeitsbedingungen“. Denn auch durch den Erfolg der Billigflieger sei die Arbeitsbelastung an den Flughäfen in den vergangenen Jahren auf etwa das Doppelte gestiegen.

Regierung sieht Unternehmen in der Pflicht

In der Bundesregierung verweist man auf die Unternehmen, die sich intensiver hätten um Personalanwerbung kümmern sollen. Bei sich selbst sieht man keine Schuld. Es sei nicht erkennbar, dass die geringe Reaktion „auf die Anforderungen des Bundes an türkische Arbeitskräfte zurückzuführen“ seien, sagt eine Sprecherin des Verkehrsministers.