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| 09:58 Uhr

Mit Verlaub!
Bunt, aber nicht blöd

Wir sollten uns die Sprachverhunzung mit den Gender-Sternchen nicht gefallen lassen. Reinhold Michels

Wir sollten uns die Sprachverhunzung mit den Gender-Sternchen nicht gefallen lassen.

Könnte es sein, dass das Befremden und leider auch das verbreitete Gespött über Politiker nicht zuletzt mit Sprachverhunzungen zu tun hat, die jene in ihren geschlechterpolitisch gewollten Verrenkungen billigend in Kauf nehmen? Viele Zuhörer und Leser wissen nicht mehr, ob sie darüber lachen oder weinen sollen.

Oder was halten Sie von zwei beispielhaften Veröffentlichungen, die nicht aus einem schlechten Kabarettprogramm stammen, sondern sprachpolitisch, vielleicht sogar sprachpolizeilich ambitioniert ernst gemeint sind: "Guter Austausch mit Kämmerer*innen aus dem Aktionsbündnis ,Für die Würde unserer Städte'." Oder: "Wir Grüne unterstützen die Forderung der Schäfer*innen nach einer Weidetierprämie."

Wir haben uns ja vielleicht an die neudeutsche Umstandskrämerei gewöhnt, mit der vorwiegend Partei- und Gewerkschaftsmenschen nach Art von Sprach-Uniformträgern "Freundinnen und Freunde" begrüßen, "Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerrechte" beschwören, "Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern" in Wahltagsnähe Gutes versprechen. Sogar ein "Mitglieder und Mitgliederinnen" wurde schon gehört.

Aber der oben zitierte Gebrauch des sogenannten Gender-Sternchens setzt dem Ganzen die Krone auf. Er verweist auf jene, die nicht wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Grüne und auch der famose rot-rot-grüne Berliner Senat (Achtung: Ironie) haben sich so etwas verordnet. Es zeugt von einer politischen Infantilisierung, wie sie wohl nur unter den Daunenbetten von Wohlstandsgesättigten hervorkriecht.

Die Menschen haben ein Gespür für kindische politische Korrektheit, die sprachlich nicht nur auf die Geschlechter Mann/Frau Rücksicht nehmen, sondern darüber hinaus der proklamierten "Vielfalt" Rechnung tragen möchte. Unser Land mag bunt sein. Aber blöd sind seine Menschen nicht.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de