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| 18:10 Uhr

USA
Thomas Mann statt Donald Trump

Die Computergrafik zeigt das restaurierte Thomas Mann Haus in Los Angeles.
Die Computergrafik zeigt das restaurierte Thomas Mann Haus in Los Angeles. FOTO: dpa / -
Berlin/Los Angeles. Bundespräsident Frank-Walter Steineier beginnt einen dreitägigen Besuch in Kalifornien. Von Barbara Munker

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beginnt am heutigen Montag einen dreitägigen Besuch des US-Bundesstaates Kalifornien. Höhepunkt ist die Eröffnung des Thomas-Mann-Hauses in Los Angeles. Die Bundesregierung hatte das Haus 2016 gekauft, um es vor dem Abriss zu bewahren.

Für Thomas Mann war es das Haus der „Seven Palms“: im hügeligen Pacific Palisades in Los Angeles – von Zitronenhainen und Palmen umgeben – fand der Schriftsteller nach der Emigration aus Nazi-Deutschland für sich und seine Familie in den 1940er-Jahren eine Exil-Heimat. Jetzt wird das zweistöckige weiße Haus mit der Adresse „1550 San Remo Drive“ im vornehmen „Riviera“-Viertel zum Domizil für deutsche Stipendiaten.

Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist die offizielle Einweihung des „Thomas Mann House“ an diesem Montag (Ortszeit; MESZ Dienstagfrüh) ein wichtiger Stopp auf seiner mehrtägigen Kalifornien-Reise.

Das Residenzprogramm soll Intellektuellen Gelegenheit zum Austausch untereinander und mit dem Gastland über die großen Fragen unserer Zeit bieten – so lautet die erklärte Zielsetzung der Einrichtung.

Am Kauf der Villa durch die Bundesregierung war Steinmeier 2016 als Außenminister maßgeblich beteiligt. Für das „Weiße Haus des Exils“, wie er es damals nannte, zahlte Deutschland einem kalifornischen Luxusmakler rund 13 Millionen Dollar.

„Das ist überhaupt nichts für diese Gegend“, sagte die Architekturhistorikerin Lilian Pfaff kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. Das Grundstück alleine sei schon so viel wert. Pfaff schreibt ein Buch über das Werk des deutschstämmigen Architekten Julius Ralph Davidson (1889-1977), einer der Hauptvertreter der kalifornischen Moderne, der das Haus 1942 für Mann baute.

Nach den Manns, die 1952 in die Schweiz zogen, lebten hier  mehr als 60 Jahre der kalifornische Anwalt Chet Lappen und seine Frau Jon. Das kulturelle Erbe ihrer Immobilie war ihnen bewusst, aber unter Denkmalschutz stand das Haus nicht.

2016 wurde das Haus von Immobilienmaklern als Millionenobjekt in einer „ultra-exklusiven“ Nachbarschaft angepriesen. Der künftige Besitzer könnte hier ein Traum-Anwesen errichten, sprich das alte Haus abreißen, so die Empfehlung. Autoren, Verleger und Künstler in Deutschland liefen Sturm. Per Online-Petition forderten sie die Bundesrepublik auf, das Haus zu erwerben und zu einem Erinnerungs- und Begegnungsort auszubauen. Der drohende Abriss wurde abgewendet.

Als erster Stipendiat zieht nun im Juni der Schauspieler Burghart Klaußner („Das weiße Band“) ein, gefolgt von der Berliner Soziologin Jutta Allmendinger, dem in Göttingen lehrenden Thomas-Mann-Forscher Heinrich Detering und dem Mikroelektroniker Yiannos Manoli. Auch die Journalistin Sylke Tempel war ursprünglich ausgewählt worden, doch im Oktober verunglückte die Politik-Expertin tödlich bei einem Sturm.

Mit fünf Millionen Dollar wurden die Renovierungsarbeiten am Haus beziffert. Alles wurde von Grund auf saniert. Der Grundriss blieb erhalten, doch vom alten Innenausbau ist nicht mehr viel übrig. Bis auf das historische Herzstück im Erdgeschoss – Manns früheres Arbeitszimmer, in dem der Literaturnobelpreisträger Werke wie „Joseph, der Ernährer“ und den Musikerroman „Doktor Faustus“ schrieb. In diesem Büro erarbeitete der Hitler-Gegner in den Kriegsjahren auch seine BBC-Radioansprachen „Deutsche Hörer!“.

Frido Mann (77), ein Enkel von Thomas Mann, begleitet Steinmeier auf der Reise. Er hat als Kind zeitweise in dem Haus gelebt. Dort, im hügeligen Pacific Palisades, fand der Schriftsteller nach der Emigration aus Nazi-Deutschland für sich und seine Familie in den 1940er-Jahren eine neue Heimat im Exil.

Es ist die erste Reise Steinmeiers als Bundespräsident in die USA. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump wird es nicht geben. Dennoch dürften die aktuellen Erschütterungen der transatlantischen Beziehungen bei dem Besuch eine wichtige Rolle spielen. „Es steht Grundsätzliches auf dem Spiel“, sagte Steinmeier vor wenigen Tagen bei einem Abendessen zu Ehren des früheren US-Außenministers Henry Kissinger in Berlin

Am Dienstag wird Steinmeier bei der Konferenz „The Struggle for Democracy“ die Eröffnungsrede halten. Die Zukunft der Demokratie angesichts internationaler Verwerfungen und Unsicherheiten sind das bestimmende Thema der Reise.

Bei Terminen in San Francisco wird sich der Bundespräsident, der von seiner Frau Elke Büdenbender begleitet wird, auch mit Start-up-Unternehmern und Experten aus dem Silicon Valley treffen. Hier geht es um die Herausforderungen der Digitalisierung. Zudem ist Steinmeier mit dem demokratischen Gouverneur des Westküstenstaats, Jerry Brown, und mit der früheren US-Außenministerin Condoleezza Rice verabredet. Brown (80) gilt als entschiedener Gegner Trumps.