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| 08:47 Uhr

London
Boris Johnson: Der Kreml muss Antworten zu Skripal liefern

London. Jetzt ist es amtlich. Bei dem im Fall Skripal verwendeten Nervengift handelt es sich um einen chemischen Kampfstoff, der höchstwahrscheinlich aus Russland stammt. Großbritanniens Premierministerin Theresa May hatte Russland beschuldigt, in Salisbury ein der Nowitschok-Gruppe zugehörendes Gift eingesetzt zu haben und daraufhin 23 russische Diplomaten ausgewiesen. Als sich daraufhin knapp 30 weitere Länder solidarisch erklärten, führte das zu einer tiefen diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen. Gestern bestätigte die internationale Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die "Untersuchungsergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie". Jochen Wittmann

Jetzt ist es amtlich. Bei dem im Fall Skripal verwendeten Nervengift handelt es sich um einen chemischen Kampfstoff, der in der früheren Sowjetunion produziert wurde. Großbritanniens Premierministerin Theresa May hatte Russland beschuldigt, in Salisbury ein der Nowitschok-Gruppe zugehörendes Gift eingesetzt zu haben und daraufhin 23 russische Diplomaten ausgewiesen. Als sich knapp 30 weitere Länder solidarisch erklärten, führte das zu einer tiefen diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen. Gestern bestätigte die internationale Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die "Untersuchungsergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie".

OPCW-Mitarbeiter hatten vor drei Wochen in Salisbury Proben sichergestellt und in vier verschiedenen Laboratorien untersuchen lassen. Alle kamen zu dem gleichen Resultat: Bei dem Kampfstoff handele es sich um ein Gift "von hoher Reinheit". Damit sieht sich Großbritannien in einem anderen Punkt bestätigt, denn Theresa May hatte vor dem Unterhaus von einem "waffenfähigen Kampfstoff" gesprochen und daraus geschlossen, dass nur ein Staat zu dessen Produktion fähig wäre. Ein weiteres Indiz, das auf Russland hindeutete.

Allerdings benannten die Chemiewaffenkontrolleure vom OPCW die Substanz nicht mit "Nowitschok", wie das Premierministerin Theresa May getan hatte. Zum einen, weil Nowitschok, russisch für Neuankömmling, nicht für eine einzelne Chemikalie, sondern für eine Gruppe von Nervengiften steht.

Zum anderen will man nicht alles öffentlich machen. Wie es zum Ende des OPCW-Statements gestern heißt, bekommen ausschließlich Diplomaten die exakte chemische Formel des bei dem Angriff verwendeten Kampfstoffs zu sehen: "Der Name und die Struktur der identifizierten toxischen Chemikalie sind im vollständigen, geheimen Bericht des Sekretariats enthalten."

Für Großbritanniens Außenminister Boris Johnson ist der Bericht die volle Bestätigung der eigenen Position. "Es kann keinen Zweifel geben", erklärte Johnson, "über das, was eingesetzt wurde, und es gibt keine alternative Erklärung, wer verantwortlich ist - nur Russland hat die Möglichkeiten, das Motiv und die Vorgeschichte." Er kündigte eine Krisensitzung des OPCW für nächsten Mittwoch an, auf der man Russland zur Rede stellen wolle. "Der Kreml muss Antworten liefern", sagte er. "Wir müssen als eine Weltgemeinschaft für die auf Regeln basierende Ordnung eintreten, die uns alle sicher machen."

Währenddessen hat Julia Skripal, die am Montag das Krankenhaus verlassen konnte und sich an einem geheimen Ort aufhält, geäußert, dass sie keinen Kontakt mit der russischen Botschaft in London haben will. "Wenn ich meine Meinung ändere, lasse ich es sie wissen", hieß es in einer von Scotland Yard verbreiteten Erklärung. Auch zu ihrer Cousine Viktoria möchte sie vorerst keine Verbindung: "Ihre Meinungen und Behauptungen sind nicht meine und nicht die meines Vaters."