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Bilder wie aus der Lausitz

Aktivisten blockieren die Kohlebahn bei Kerpen.
Aktivisten blockieren die Kohlebahn bei Kerpen. FOTO: dpa
Kerpen. Vier Wochen vor der Bundestagswahl haben am Wochenende mehrere Tausend Menschen im rheinischen Revier mit verschiedenen Protestaktionen einen schnellen Kohleausstieg gefordert. Rund 3000 Bürger bildeten am Samstag eine Menschenkette am Braunkohletagebau Hambach. dpa/bob

Die überwiegend in Rot gekleideten Teilnehmer signalisierten dem Energiekonzern RWE mit ihrer zwei Kilometer langen roten Linie: "Bis hierher und nicht weiter". An dem Protest nahmen auch Politiker teil.

Es gab aber auch andere Bilder an diesem Wochenende: Aktivisten der Gruppe "Ende Gelände" legen Transport und Verbrennen der Kohle teilweise lahm - und feiern sich dafür. "Es ist historisch einmalig, dass wir als soziale Bewegung in die fossile Energieproduktion eingreifen", sagt Janna Aljets, Sprecherin der Gruppe "Ende Gelände".

Im Kraftwerk Neurath musste Betreiber RWE daraufhin vier von sechs laufenden Blöcken zeitweise um 42 Prozent drosseln. Mehrere hundert Aktivisten wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Am Sonntag kletterten im Tagebau Garzweiler elf Braunkohlegegner auf einen stillstehenden Bagger, kamen aber kurz darauf wieder herunter, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Im Tagebau Hambach ketteten sich vier Personen mit Fahrradschlössern an Förderbänder. "Das haben wir ruckzuck wieder gelöst", so der Sprecher.

Die Polizei rechnet bis Dienstag nicht mehr mit größeren Aktionen. Sieben Beamte wurden verletzt. Es sei "abscheulich", dass auch gezielt Mannschaftswagen mit Schleudern und Feuerwerkskörpern beschlossen worden seien, sagte der Sprecher. Eine Frau wurde bei den Protesten verletzt.

"Die Proteste der letzten Tage haben Klimagerechtigkeit auf die politische Agenda gesetzt", sagt Insa Vries, Pressesprecherin von "Ende Gelände". "Wer den sofortigen Kohleausstieg blockiert, verliert jede Legitimität und Glaubwürdigkeit." Ob die Gruppe, die 2016 auch in Lausitz für Chaos gesorgt hatte, mit ihren Aktionen an Legitimität und Glaubwürdigkeit gewinnt, ist die andere Frage.