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| 20:12 Uhr

"Geheimes Atomarchiv"
Israel wirft Iran Verstoß gegen Atom-Deal vor

Tel Aviv. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat dem Iran vorgeworfen, weiter den Bau einer Atombombe anzustreben. Er präsentierte am Montag vor Journalisten in Tel Aviv Dokumente und Bilder aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran, die Israels Geheimdienst aufgespürt habe und die dies beweisen sollen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirft dem Iran vor, umfangreiche Forschungen zum Bau einer Atombombe heimlich aufbewahrt zu haben. Das Atom-Abkommen mit dem Land basiere auf Lügen.

Dies zeigten Zehntausende Dokumente aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran, das der israelische Geheimdienst sichergestellt habe, sagte er am Montag. "Der Iran hat gelogen", bilanzierte Netanjahu. Das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen nannte er einen "schrecklichen Deal", der nie hätte unterzeichnet werden sollen. "Das Atomabkommen basiert auf Lügen", sagte er weiter.

"Fünf Hiroshima-Bomben"

Das geheime Material, das der Iran nach der Unterzeichnung des Atomabkommens versteckt habe, könne zum Bau von "fünf Hiroshima-Bomben" dienen, sagte Netanjahu. "Der Iran hat auf der höchsten Ebene geplant, den Bau nuklearer Waffen fortzusetzen." Die Informationen seien von den Vereinigten Staaten verifiziert worden. "Der Iran hat gelogen, als er sagte, er habe nie ein Atomwaffenprogramm gehabt", sagte Netanjahu.

US-Präsident Donald Trump werde in den kommenden Tagen entscheiden, ob er den Vertrag aufkündigen will. "Ich bin mir sicher, dass er das Richtige tun wird." Netanjahu gilt schon seit Jahren als schärfster Gegner der Atomvereinbarung mit dem Iran, die er als schweren Fehler eingestuft hat. Er hatte immer wieder gefordert, den Vertrag nachzubessern oder aufzukündigen. Der Iran hat Israel mit Zerstörung gedroht. Deshalb sieht der jüdische Staat eine Aufrüstung Teherans mit Atomwaffen als eine Bedrohung seiner Existenz.

Warten auf Donald Trump

Der Iran hatte 2015 das Atomabkommen mit den fünf UN-Veto-Mächten sowie Deutschland geschlossen. Die Vereinbarung sollte es dem Iran unmöglich machen, Atomwaffen zu entwickeln. Dafür unterwarf sich das Land für mindestens zehn Jahre strengen Auflagen bei der Nutzung der Atomkraft. Im Gegenzug wurde eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen in Aussicht gestellt.

US-Präsident Donald Trump muss bis zum 12. Mai entscheiden, ob die von den USA ausgesetzte Sanktionen gegen den Iran weiter außer Kraft bleiben oder wieder eingesetzt werden. Dies wird de facto auch als Entscheidung über den Verbleib der USA in dem internationalen Abkommen von 2015 angesehen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen die USA dazu bewegen, das unter Trumps Vorgänger Barack Obama abgeschlossene Abkommen zu retten.

(csi/dpa)