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| 10:35 Uhr

Kommentare österreichischer Zeitungen
Bayerns Wähler hatten die CSU einfach satt

Wien. Wien (dpa/pb) - Mehrere österreichische Zeitungen nehmen die Ergebnisse der Landtagswahl in Bayern am Montag in den Fokus:

„Der Standard“ kommentiert: „Sehr viele Wählerinnen und Wähler hatten die CSU einfach satt, obwohl das Land wirtschaftlich boomt. Doch das aktionistische Kreuzaufhängen in den Amtsstuben hing ihnen ebenso zum Hals heraus wie das umstrittene Polizeiaufgabengesetz. Unerträglich war das Schauspiel, das der neue Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Chef Horst Seehofer aufführten: Sie kämpften gegeneinander und veranstalteten daneben peinliche Schmuseshows. (...) Ein Gutteil dieser gewaltigen Wahlniederlage ist auf das Auftreten in Berlin zurückzuführen. Mal hü in der Asylpolitik, mal hott, und das über Jahre – es war einfach unerträglich. Die CSU hat immer groß gefordert und wild gedroht, aber vergleichsweise wenig erreicht.“

Die „Kronen-Zeitung“ schreibt: „Heute ist Bayern das wirtschaftlich erfolgreichste deutsche Bundesland. Unter solchen Umständen eine Wahl dermaßen zu verlieren ist fast schon ein Kunststück.“

Der „Kurier“ kommentiert: „Jetzt wird wieder viel spekuliert werden, was das für (Bundeskanzlerin) Angela Merkel heißt. Ist ein demolierter Unions-Partner gefährlicher oder weniger gefährlich? Wieso erkennen Politiker nie, wann es Zeit ist zu gehen? Aber zur Zeit könnte in München auch bloß eine Weißwurst platzen, schon würden atemlose Medien eine Beschleunigung der Merkel-Dämmerung konstatieren. Nein, das Platzen der CSU-Allmacht ist zunächst eine rein bayerische Angelegenheit. Und dann eine, die weit über Deutschland und Frau Merkel hinaus geht. (...) Die Regierenden verlieren, auch wenn es den Regierten gut geht. Bayern hat die besten Wirtschaftsdaten, hat Wachstum, praktisch Vollbeschäftigung, blühende Unternehmen – und trotzdem sagt der Wähler denen, die die Weichen dafür gestellt haben: trollt euch.“

„Die Presse“ schreibt: „Für Nochkanzlerin Angela Merkel ist das Ergebnis indes ambivalent: Eine gestutzte CSU zehrt die Union und die Koalition weiter aus, die im freien Fall scheint – eine Regierung auf Abruf, die starken Fliehkräften ausgesetzt ist. Die Wähler in Bayern stellten die SPD quasi unter Artenschutz, Panik greift um sich. Es könnte rasch zu Ende gehen mit der ungeliebten und lahmen Koalition in Berlin.“

(dpa/pb)