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| 19:23 Uhr

Politik
Barley soll SPD inEuropawahlkampf2019 führen

Noch-Justizministerin Katarina Barley zieht in den Europawahlkampf.
Noch-Justizministerin Katarina Barley zieht in den Europawahlkampf. FOTO: dpa / Jens Büttner
Berlin. (wk) Die Verkündung von Spitzenkandidaturen gerät der SPD regelmäßig zum Fiasko. Peer Steinbrück erfuhr es 2012 mehr oder weniger aus dem Radio, Martin Schulz las es Anfang 2017 in einem „Stern“-Interview von Sigmar Gabriel. Von Werner Kolhoff

Der Urheber der Indiskretion, dass Katarina Barley im nächsten Jahr ganz oben auf der Liste für das Europaparlament antreten soll, ist unbekannt, der Effekt der gleiche: ein verunglückter Start.

Erst „in Kürze“ werde sie ihren Vorschlag für die Spitzenkandidatur mitteilen, sagte Parteichefin Andrea Nahles am Dienstag am Rande der SPD-Fraktionssitzung. Derweil andere die Personalie unter der Hand oder sogar öffentlich schon bestätigten. Barley, amtierende Justizministerin und sonst immer sehr kontaktfreudig, mied jeden Pressekontakt und drückte sich im Saal an der Wand herum. Warum  das Offensichtliche noch verborgen werden sollte, blieb unklar.

Vielleicht musste noch mit Udo Bullmann geredet werden, der als Chef der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament auch ein Anwärter gewesen wäre. Aber es sollte eine Frau sein, unverbraucht und jung. Vielleicht stimmt, dass durch die Veröffentlichung „Zeitpläne“ durcheinander geraten waren, wie einer aus der Parteiführung sagte. Gemeint ist  die Regelung von Barleys Nachfolge im Justizministerium.

Derweil lobten einige Abgeordnete die Kandidatin schon öffentlich über den grünen Klee. Er erinnere sich noch, dass Barley 2013 kaum im Bundestag, sofort nach einem Platz im Europaausschuss gefragt habe, sagte Achim Post, Chef der mächtigen NRW-Landesgruppe. Und ihre erste Rede habe sie zu Europa gehalten. Für dieses Thema habe sie „Kompetenz und Leidenschaft“.  Der Rheinland-Pfälzer Gustav Herzog frohlockte, dass sein Landesverband nach der Partei- und Fraktionsvorsitzenden nun auch die EU-Spitzenkandidatin stelle. Er flaxte: „Die Briten gehen raus, wir schicken eine Deutsch-Britin.“

Das ist Barley wegen ihres Vaters. Und sie lebt in einer ausgesprochenen Europaregion,  Trier. Außerdem wohnt ihr Freund, ein holländischer Basketballtrainer, in Amsterdam. Alles gute Gründe, die Berufung sofort anzunehmen, und dennoch hat sich Barley dem Vernehmen nach lange geziert. Sie habe  ihr jetziges Amt als Justizministerin nicht aufgeben wollen, wurde berichtet.