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| 18:13 Uhr

Immer weniger Studenten erhalten Geld vom Staat
Bafög-Empfänger werden zur Mini-Minderheit

Berlin. 2017 ist der Anteil an Unis auf unter 20 Prozent gesunken. Die Rufe nach Reformen werden wieder mehr. Von Werner Kolhoff

Kaum etwas ist für die Durchlässigkeit des Bildungssystems so entscheidend wie die Ausbildungsförderung. Doch der Anteil der Geförderten sinkt seit Jahren, und dieser Trend hielt auch 2017 an, wie jetzt veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Die politische Debatte um Korrekturen entbrannte sogleich.

Nur noch 782 000 Personen erhielten 2017 Bafög, 557 000 Studenten und 225 000 Schüler. Das sind fünf Prozent minus gegenüber 2016. Erstmals seit 15 Jahren liegt die Gesamtzahl wieder unter 800 000. Im Langfristtrend ist der Anteil der Studenten, denen der Staat mit Zuschüssen und Krediten unter die Arme greift, seit 2003 von 25 Prozent auf jetzt 19,8 Prozent gesunken. Einziges Trostpflaster: Die gezahlte Durchschnittssumme stieg 2017 etwas an, auf 499 Euro im Monat bei Studenten (plus 7,5 Prozent) und 456 bei Schülern (plus fünf Prozent). Der Höchstsatz beträgt derzeit 735 Euro für Studenten.

Bildungsministerin Anja Karli­czek (CDU) verwies auf diesen Anstieg der Zahlungen, der freilich auf eine noch von der letzten Regierung beschlossene Anhebung zurückgeht. Den Rückgang der Empfängerzahlen erklärte sie mit der hohen Erwerbstätigenquote und steigenden Löhnen, die es immer mehr Eltern erlaubten, „ihren Kindern eine gute Ausbildung mit eigenen Mitteln zu ermöglichen“. Sie kündigte aber gleichzeitig eine Reform an, die „wieder mehr Familien den Zugang zu Bafög-Leistungen eröffnen wird“. Karliczek versprach, dass die Verbesserungen nächstes Jahr zum Schuljahresbeginn beziehungsweise zum Wintersemester in Kraft treten sollen. Das entspricht den Verabredungen zwischen Union und SPD. Im Koalitionsvertrag ist von einer „Trendumkehr“ die Rede; eine Milliarde Euro stehen dafür bereit.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach bemängelte gegenüber der RUNDSCHAU, dass die Ministerin noch keine konkreten Vorschläge vorgelegt hat. Aus SPD-Sicht besteht Reformbedarf vor allem bei der Anhebung der anzurechnenden Elterneinkommen und bei der Absenkung des Darlehens-Anteils. Die mit dem Bafög einhergehende Verschuldung schrecke nämlich besonders Antragsteller aus sehr einkommensschwachen Haushalten ab. Zudem müsse das ganze Verfahren vereinfacht werden, es sei „außerordentlich bürokratisch“, so Lauterbach.

Der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring forderte eine „radikale Trendwende“. Nicht nur müssten Bedarfssätze und Freibeträge sofort um mindestens zehn Prozent erhöht werden, es seien auch deutlich höhere Wohnkosten anzusetzen. Die Linke Nicole Gohlke forderte ebenfalls eine umgehende Erhöhung und Ausweitung des Bafög und nannte 1050 Euro als Summe monatlich.

Das Studentenwerk konzentrierte seine Reformvorschläge auf Erleichterungen bei den Antragsvoraussetzungen. Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde schlug vor, die Bezugsberechtigung künftig nicht nur bis zur Dauer der Regelstudienzeit, sondern zwei Semester länger laufen zu lassen. Denn nur 40 Prozent der Absolventen schafften das Studium innerhalb der Zeitvorgabe. Zudem solle die bisherige Altersgrenze von 30 Jahren für den Beginn eines Bachelor-Studiums (35 Jahre beim Master-Studium) entfallen.