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Interview mit Cem Özdemir
"Autoindustrie verlässt sich auf falsche Freunde"

Cem Özdemir Anfang Dezember beim Parteitag der Grünen. Damals war er noch Chef der Partei, jetzt ist er Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses.
Cem Özdemir Anfang Dezember beim Parteitag der Grünen. Damals war er noch Chef der Partei, jetzt ist er Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses. FOTO: Sebastian Gollnow/dpa
Der Ex-Chef der Grünen, Cem Özdemir, ist seit Dienstagabend neuer Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses. Wir sprachen mit ihm über die Diesel-Krise.

Sind die Bürger nicht viel weiter als die Industrie: Wollen sie nicht sauberere Autos kaufen, wenn sie ihnen preisgünstig angeboten würden?

Özdemir Beim aktuellen Zick-Zack-Kurs der Bundesregierung kann ich die Kaufzurückhaltung nur allzu gut verstehen. Was ist das für ein Signal, wenn die Bundesregierung halbherzige Kaufprämien für saubere Autos ausgibt, jährlich aber mehr als sieben Milliarden Euro für die Subvention von Dieselkraftstoff draufgehen? Es braucht endlich ein Bonus-Malus-System, das den Umstieg auf saubere Autos belohnt.

Setzt die deutsche Autoindustrie mit schweren Dieselmodellen nicht schon seit Jahren auf falsche Pferde?

Özdemir Viele in der Autoindustrie haben sich zu lange auf falsche Freunde in der Bundesregierung verlassen. CDU/CSU und SPD wollen am liebsten einen nationalen Bestandsschutz für den fossilen Verbrennungsmotor festschreiben. Für eine Branche, die zum Großteil abhängig ist vom Export in internationale Zukunftsmärkte, ist das eine gefährliche Innovationsbremse. Ich will die Voraussetzungen dafür schaffen, damit auch moderne Mobilität "Made in Germany" zum Exportschlager wird.

Was bedeuten alle diese Skandale für das deutsche Image im Ausland?

Özdemir Die aktuellen Meldungen und die Betrügereien sind unfassbar. Die Verantwortlichen setzen das wertvolle Label "Made in Germany" leichtfertig aufs Spiel. Auch die völlig unzureichenden Reaktionen der Bundesregierung schaden dem Ansehen unseres Wirtschaftsstandorts. Ich rate Autobauern ebenso wie der Bundesregierung dringend dazu, ihre Verteidigungsschlacht für fossile Kraftstoffe zu beenden. Sie sollten aufhören, in altbekannter Manier von Brüssel über Berlin bis nach Peking gegen Umweltstandards zu agitieren. Das Auto von morgen fährt abgasfrei.

Das Interview führte Birgit Marschall.

(mar)