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| 19:22 Uhr

Politik
Australiens Neonazi-Szene wirkt über die Grenzen hinaus

 Der Anschlag im neuseeländischen Christchurch wurde offenbar von einem australischen Neonazi begangen.
Der Anschlag im neuseeländischen Christchurch wurde offenbar von einem australischen Neonazi begangen. FOTO: AFP / TESSA BURROWS
Canberra. Von Andreas Förster

Während die Zahl der Neonazis in Neuseeland recht überschaubar ist und es bislang kaum Berichte über deren Aktivitäten gab, ist das Bild in Australien ein ganz anderes. Seit Jahrzehnten bereits existiert dort eine stetig wachsende rechtsextremistische Szene, die enge Verbindungen vor allem in die USA, aber auch nach Deutschland unterhält. Im Zentrum steht dabei der australische Ableger („Chapter“) der Hammerskins. Auch in Neuseeland soll ein kleineres Chapter existieren. Die Hammerskins sind eine international vernetzte und operierende Neonazi-Organisation. Sie wurde 1987 in den USA gegründet und hat seitdem in rund einem Dutzend Länder eigenständig operierende Niederlassungen, darunter auch in Deutschland. Unter diesen Chaptern gibt es enge Kontakte, was sich in regelmäßigen gegenseitigen Besuchen äußert. Auch sind die Hammerskins eng mit einem Musiklabel verwoben, das Nazi-Rockmusik verlegt und weltweit Konzerte organisiert.

In den vergangenen Jahren waren mehrmals australische Hammer­skins in Deutschland zu Besuch, insbesondere im Raum Sachsen und Thüringen. Das „Braune Haus“ in Jena, das seit 2002 vom verurteilten NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben mitbetrieben wurde und jahrelang der zentrale Treffpunkt der rechten Szene in Ostthüringen war, gehörte zeitweise einer Eigentümergemeinschaft, an der auch ein australischer Neonazi beteiligt gewesen sein soll.

Die Hammerskins bekennen sich zum bewaffneten Kampf gegen den Staat. Sie orientieren sich am Vorbild der SS, haben viel Erfahrung beim Aufbau von Untergrundnetzen sowie bei der Beschaffung von Waffen, Sprengstoff und Sprengsätzen. Deutsche Hammerskins sind mehrfach zu Schießübungen in die Schweiz und in die USA gefahren, wo sie auch mit australischen Kameraden in Kontakt kamen. Nach Erkenntnissen von Verfassungsschutz und Bundesanwaltschaft gehörten Aktivisten der Hammerskins auch zu den Unterstützern der Zwickauer NSU-Terrorzelle.

Neben den seit nunmehr drei Jahrzehnten in Australien existierenden Hammerskins hat sich 2016 in Melbourne eine weitere radikale Neonazi-Gruppe gegründet. Sie nennt sich „Antipodean Resistance“ (Australischer Widerstand) und posiert im Internet mit Hakenkreuzfahne, Hitlergruß und dem SS-Symbol der Schwarzen Sonne. Ihre Gesichter verbergen die AR-Mitglieder hinter Totenkopfmasken. Die anonym agierende Gruppe propagiert die angebliche Überlegenheit der „weißen Rasse“ und ruft zur Ermordung und Vertreibung von Juden, Homosexuellen und Einwanderern auf. Die bewaffnete Gruppe, die auch militärische Übungen durchführt, soll nach Expertenschätzungen inzwischen landesweit 300 Mitglieder haben. In mehreren Städten waren Aktivisten in der Vergangenheit dabei gefilmt worden, wie sie kurzzeitig Transparente entrollten, auf denen zu einer „weißen Revolution“ aufgerufen wird. Anschläge oder gewalttätige Aktionen wurden der AR jedoch bislang nicht zugeschrieben.

Neben diesen Neonazi-Gruppen existiert in Australien mit „Rise up“ („Aufstehen“) auch eine rechtspopulistische islamkritische Partei. Sie ist das politische Sprachrohr diverser Bürgergruppen, die gegen Islam und Muslime demonstrieren. Rund 12 000 Australier sollen sich in den meist in Großstädten ansässigen Gruppen organisiert haben. Bei den von ihnen über soziale Netzwerke organisierten Aufmärschen gehen oft Zehntausende auf die Straße.

Zudem haben in Australien lebende Griechen dort einen Ableger der neofaschistischen Partei Goldene Morgenröte gegründet. Eine offiziell nicht registrierte Wohlfahrtsorganisation sammelt in Australien seit 2013 Spendengelder und Kleidung für Mitstreiter der Neonazi-Partei in Griechenland.