Von Ellen Hasenkamp

Im Garten sitzen und Quatsch mit Luftballons machen, in der Küche sitzen und veganes Eis testen, auf dem Sofa sitzen und über Musik reden, das sind Sachen, die der Youtuber Rezo normalerweise macht. Es wird ein bisschen gesungen und viel gelacht in seinen Filmchen. Rezo ist ein Star im Netz. Seinetwegen haben CDU und CSU nun ein Problem, dessen Ausmaß sich – kurz vor der Europawahl – noch nicht ganz abschätzen lässt.

Rezo hat sich anlässlich dieser Wahl die Politik vorgeknöpft. „Die Zerstörung der CDU“ heißt der Beitrag, und genau so ist er offenbar auch gemeint. Wobei Rezo sich mit Unterschieden zwischen CDU und CSU beispielsweise nicht lange aufhält, sondern das Ganze einfach CDU nennt, „weil, das ist leichter“. Dann geht es 55 Minuten lang rund: Armut, Klima, Rüstung, Drogen. Am Schluss ruft Rezo seine vermutlich größtenteils noch nicht wahlberechtigten Zuschauer auf, ihre Eltern und Großeltern von der Botschaft zu überzeugen: CDU und CSU seien unwählbar, inkompetent, verlogen, an Kriegsverbrechen beteiligt und zerstörten die Zukunft des Planeten.

Mehr als drei Millionen Klicks hat Rezo schon eingesammelt, er ist Top-Thema in Schulklassen und zunehmend auch in Familien-Wohnzimmern. Eine völlig unvorhergesehene Situation für die Union. „Grundsätzlich stehen einer betroffenen Organisation – in diesem Fall der CDU – verschiedene Reaktionsstrategien zur Verfügung“, analysiert der Social-Media-Experte Stefan Stieglitz. „Eine davon ist Schweigen und Aussitzen.“

Das aber hat die Partei aber nur wenige Tage durchgehalten. Jetzt schaltet sie auf Abwehr. Generalsekretär Paul Ziemiak, 33 Jahre alt und bis vor Kurzem Chef der Unionsjugend, wirft Rezo „Populismus, Beleidigungen und falsche Vereinfachungen“ vor. Der Youtuber tue so, „als gäbe es überhaupt nur eine einzige richtige Meinung, nämlich seine. Das ist gefährlich.“

Ziemiak hat damit nicht ganz unrecht, aber die Rezo-Anhänger wird das kaum beeindrucken. Mit so einem Gegenangriff haben sie in ihren Kommentaren bereits gerechnet. Die CDU hat gerade bei der künftigen Wählergeneration durch die Kritik an den Klimademos und die Zustimmung zum digitalen Urheberrecht zuletzt massiv Vertrauen verloren.

Und noch aus einem weiteren Grund dürfte der Konter der Partei ins Leere laufen. „Das Bemerkenswerte an diesem Beitrag ist, dass durch die Angabe von Quellen und Belegen für die CDU eine Gegenargumentation mehr Mühe erfordert“, analysiert Stieglitz, der genau darin auch eine Chance sieht: „Eigentlich müsste nun eine kritische Diskussion der Inhalte sowie eine Überprüfung der genannten Belege stattfinden.“ Für eine solche Debatte ist das Netz aber nur bedingt geeignet.

In der CDU wurde am Mittwoch angeblich an einer Video-Antwort gebastelt. In der Hauptrolle: CDU-Youngster Philipp Amthor.