ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:58 Uhr

USA
Auf der Suche nach den Briefbombern

Bill de Blasio (M.), Bürgermeister von New York, spricht zu Pressevertretern. Links steht James O‘Neill, Polizeichef von New York, rechts Andrew Cuomo, Gouverneur von New York. Das Time Warner Center, in dem unter anderem der US-Fernsehsender CNN seinen Sitz hat, wurde nach dem Fund eines verdächtigen Pakets komplett evakuiert. Der amerikanische Secret Service hatte zuvor zwei verdächtige Pakete mit möglichen Sprengsätzen an den früheren US-Präsidenten Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Clinton abgefangen.
Bill de Blasio (M.), Bürgermeister von New York, spricht zu Pressevertretern. Links steht James O‘Neill, Polizeichef von New York, rechts Andrew Cuomo, Gouverneur von New York. Das Time Warner Center, in dem unter anderem der US-Fernsehsender CNN seinen Sitz hat, wurde nach dem Fund eines verdächtigen Pakets komplett evakuiert. Der amerikanische Secret Service hatte zuvor zwei verdächtige Pakete mit möglichen Sprengsätzen an den früheren US-Präsidenten Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Clinton abgefangen. FOTO: dpa / Michael Brochstein
Washington  . Am Freitag wurde ein Verdächtiger festgenommen, ohne dass das Justizministerium in Washington Details nannte. Von Frank Herrmann

   Auf der Suche nach dem Absender von mittlerweile zwölf ominösen Briefbomben an prominente Kritiker Donald Trumps haben die Ermittler ein Logistikzentrum der Post in Opa-Locka in Florida unter die Lupe genommen. Nach Angaben des FBI gibt es Anhaltspunkte, nach denen zumindest einige der abgefangenen Briefe in der Kleinstadt nördlich von Miami aufgegeben worden sind. Am Freitag wurde ein Verdächtiger festgenommen, ohne dass das zuständige Justizministerium in Washington Details nannte. 

     Als Indiz für die „Florida Connection“ gilt nicht zuletzt die Tatsache, dass der beziehungsweise die Täter als Absenderin Debbie Wasserman Schultz angaben, eine demokratische Abgeordnete, deren Wahlkreis im Ballungsraum um Miami liegt. Ein weiterer Fund schien den Verdacht zu bestätigen. Im Süden Floridas wurde am Freitagmorgen ein gepolsterter Umschlag samt Rohrbombe entdeckt, der Cory Booker, einen Senator aus dem Ostküstenstaat New Jersey, erreichen sollte. Booker wird seit Längerem als möglicher Präsidentschaftskandidat des Jahres 2020 gehandelt. Kurz darauf der nächste Alarm, diesmal auf einem Postamt in New York, wo Polizisten einen verdächtig dicken Brief an James Clapper konfiszierten. Clapper, einst Koordinator der Geheimdienste, analysiert inzwischen für den Sender CNN das Weltgeschehen.

     Damit sind es seit Montag zwölf Briefbomben, die an einige der bekanntesten Kritiker Trumps verschickt wurden. Vorerst bleibt unklar, ob es sich um funktionstüchtige Sprengsätze handelte oder ob sich jemand einen makabren Scherz erlaubte, ohne die Empfänger verletzen oder gar töten zu wollen. Während die Rohrbomben in einem FBI-Labor in Virginia untersucht werden, warnt der Chef der New Yorker Polizei davor, den Fall auf die leichte Schulter zu nehmen. Man gehe nicht von einem Spaß, sondern von echten Sprengsätzen aus, „dies ist etwas, was wir sehr ernst nehmen sollten“, sagt James O‘Neill. Anhänger des Präsidenten streuen unterdessen die These, wonach der Drahtzieher nicht im Lager der Freunde Trumps zu suchen ist, sondern vielmehr unter dessen Gegnern. Ein Anonymus, lautet ihre Theorie, versuche die Republikaner in der heißen Phase des Kongresswahlkampfes in die Defensive zu bringen. Die Behörden kommentieren es mit der lakonischen Bemerkung, dass man nichts ausschließe, solange die Untersuchung nicht abgeschlossen sei.

    Begonnen hatte es am Montag mit einem selbstgebastelten Sprengsatz in einem Päckchen, das im Briefkasten von George Soros landete. Manche Trump-Fans sehen in dem New Yorker Milliardär so etwas wie den Paten der Demokratischen Partei. Rechte Blogger dichten ihm neuerdings sogar an, er habe die Migrantenkarawane finanziert, die von Honduras nach Mexiko gezogen ist und nun die Südgrenze der Vereinigten Staaten ansteuert. Soros, fabulieren sie, schüre auf diese Weise eine Debatte, die die Latinos der USA dazu bringen solle, mit klarer Mehrheit gegen die Konservativen zu stimmen.

    Im Laufe der Woche waren, bisweilen fast im Stundentakt, weitere Rohrbomben abgefangen worden, wobei sich die Liste der Adressaten wie ein „Who’s who“ demokratischer Parteiprominenz liest. Barack Obama, Hillary Clinton, Joe Biden. John Brennan, unter Obama CIA-Direktor. Eric Holder, Obamas Justizminister. Maxine Waters, eine Kongressabgeordnete aus Los Angeles. Auch bei Robert De Niro war eines der voluminösen Kuverts eingegangen, am Donnerstag entdeckt von einem Mitarbeiter in Büroräumen des Schauspielers im Süden Manhattans. De Niro hatte bei den „Tony Awards“ im Juni für Furore gesorgt, als er seine Kritik am Präsidenten auf drei kurze, prägnante Sätze brachte. „Fuck Trump! Es ist nicht mehr nur ‚Nieder mit Trump!‘ Es ist ‚Fuck Trump!‘“.