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| 10:30 Uhr

Ingolstadt/Berlin
Audi-Chef unter Betrugsverdacht

Ingolstadt/Berlin. Behörden durchsuchen Manager-Wohnung und ordnen Rückruf bei Daimler an.

Der Abgasskandal zieht weitere Kreise. So wurde zum einen Daimler im Streit über Abschalteinrichtungen bei Diesel-Autos zu einem weiteren umfangreichen Rückruf von Mercedes-Modellen verpflichtet. Der Bund werde für deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge wegen "unzulässiger Abschalteinrichtungen" unverzüglich einen amtlichen Rückruf anordnen, erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nach einem Treffen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche in Berlin. In Europa seien 774.000 Mercedes-Fahrzeuge betroffen.

Zudem stehen Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiterer Audi-Vorstand unter Betrugsverdacht. Beide würden als Beschuldigte geführt, teilte die Staatsanwaltschaft München mit. "Ihnen werden Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last gelegt. Hierbei geht es um das Inverkehrbringen von mit manipulativer Abgassteuerungssoftware ausgestatteten Diesel-Kraftfahrzeugen auf dem europäischen Markt." Zur Sicherung von Beweismaterial durchsuchte die Justiz gestern die Privatwohnungen der Manager. Die Zahl der Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren ist laut Strafverfolger mittlerweile auf 20 Personen gestiegen.

Ermittler verdächtigen Audi, in den USA und Europa ab 2009 über 200.000 Diesel mit Schummelsoftware verkauft zu haben. Ein Audi-Sprecher erklärte: "Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft." Zu Stadlers Zukunft wollte er sich nicht äußern. Großaktionär Volkswagen erklärte, es gelte weiter die Unschuldsvermutung. Stadler ist seit Bekanntwerden des Skandals 2015 unter Druck. Audi liefert für viele Marken des VW-Konzerns Motoren. Doch bislang haben die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch schützend die Hand über ihn gehalten.

(anh)