Von Ellen Hasenkamp

Die Menschen in Thüringen mussten es verkraften, dass ihre Landtagswahl im Vorfeld nicht gerade als Blockbuster der Berliner Politik galt. Das lag zum einen an der Größe des Bundeslands mit nicht mal zwei Millionen Wahlberechtigten, zum anderen an einer gewissen Erschöpfung am Ende einer ganzen Reihe von Wahlen zu Landtagen und zum Europaparlament in diesem Jahr. Und es lag wohl auch am Konkurrenzereignis bei der SPD, deren Vorsitzenden-Kür vermutlich weit mehr Auswirkungen auf den Bestand der Groko im Bund haben dürfte, als das Ergebnis in Thüringen.

Das hatte es dennoch in sich, und stellt der Bundespolitik nun eine ganze Reihe von Aufgaben. Die einfachste davon vermutlich den klaren Wahlsiegern von der Linken. Der Erfolg des Oberrealo Bodo Ramelow in Erfurt dürfte jedenfalls den pragmatischen Kräften seiner Partei auch in Berlin Auftrieb geben. Für Fraktionschef Dietmar Bartsch jedenfalls fühlte sich der Abend „wunderbar“ an.

Ganz anders die Stimmung in der CDU: „Schwierige Situation“, „bitterer Tag“ – so die ersten Einschätzungen. Der Wechsel hin zu Annegret Kramp-Karrenbauer an der Parteispitze hat sich jedenfalls bei den bisherigen Wahlen nicht ausgezahlt – im Gegenteil. Die ständigen Verluste dürften vor allem bei ihr landen, deren ungeschickt platzierter Vorstoß zur Syrien-Politik zuletzt wieder mal für viel Kritik gesorgt hatte. Aber auch die Wechsel-Überlegungen für das Kanzleramt dürften wieder zunehmen.

Die CDU steht nun zudem vor einer Debatte, die sie um fast jeden Preis vermeiden wollte: Wie hält sie es mit den Linken? Die Christdemokraten haben eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit – ebenso wie mit der AfD - ausgeschlossen. Und das soll sich auch nicht ändern, wie CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bereits um kurz vor sieben Uhr abends klarstellte. Seine Partei bleibe dabei: „Keine Koalition mit den Linken“. Aber die Ränder sind, zumindest in Thüringen, so stark geworden, dass gegen sie nicht regiert werden kann. Für das Bündnis der politischen Mitte schlechthin, die GroKo, bedeutet das nichts Gutes. Konnten CDU und SPD in Sachsen und in Brandenburg noch auf den jeweiligen Erfolg ihres Ministerpräsidenten berufen, ernteten in Thüringen beide eine krachende Niederlage, die bis nach Berlin wirken wird.

„Nicht schön“, kommentierte SPD-Vize und Finanzminister Olaf Scholz dann auch kleinlaut. Bereits wenige Minuten nach Schließen der Wahllokale stand er im ARD-Wahlstudio. Der wenig überraschenden Analyse schob er noch einen Hinweis auf das „bedrückende Ergebnis“ der AfD nach. Vor allem aber schien Scholz, gerade in die Stichwahl um den Parteivorsitz gekommen, mit seinem Auftritt klarmachen zu wollen, wer in der SPD die Interpretationshoheit hat.

Für die Bundesspitze der AfD könnte das starke Abschneiden des Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke ebenfalls weitreichende Folgen haben. Parteichef Jörg Meuthen sagte, es sei „folgerichtig“, wenn dieser nun für den Bundesvorstand kandidiere.