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| 16:14 Uhr

Interview mit Jürgen Hardt
„Das ist durchaus ein Sieg der Vernunft“

ARCHIV - 21.11.2017, Berlin: Der Bundestagsabgeordnete und transatlantische Koordinator der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), spricht im Bundestag. (zu dpa «CDU-Politiker für gemeinsames Vorgehen von EU und USA gegen China» vom 16.03.2018) Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 21.11.2017, Berlin: Der Bundestagsabgeordnete und transatlantische Koordinator der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), spricht im Bundestag. (zu dpa «CDU-Politiker für gemeinsames Vorgehen von EU und USA gegen China» vom 16.03.2018) Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: Silas Stein / dpa
Berlin . Der Amerika-Experte sieht gute Chancen für die Beilegung des Handelsstreits mit den USA. Von Stefan Vetter

Die USA verzichten einstweilen auf Strafzölle gegen Deutschland und Europa. Der Koordinator der transatlantischen Beziehungen und außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, ist optimistisch, dass der Handelsstreit  auf Dauer befriedet werden kann.

 Herr Hardt, regiert doch noch ein Rest Vernunft im Weißen Haus?

 Hardt Das Ergebnis, das Wirtschaftsminister Peter Altmaier und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström bei ihren Gesprächen mit den Amerikanern erreicht haben, ist sehr gut. Denn es wurde nicht nur ein Aufschub der Handelsschranken erreicht. Vielmehr hat sich Washington zu Gesprächen bereit erklärt, in denen beide Seiten ihre jeweiligen Vorschläge für Verbesserungen in den Handelsbeziehungen auf den Tisch legen werden. Das ist durchaus ein Sieg der Vernunft.

 Was will US-Präsident Trump in diesen Gesprächen konkret erreichen?

Hardt Ich kenne noch keine konkrete Vorlage seitens Amerikas. Im Kern muss es beiden Seiten darum gehen, die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA wieder auf eine solide und nachhaltige Grundlage zu stellen.

Vielleicht will Trump nur den einen Rest der Welt gegen den anderen ausspielen. Denn ab sofort wird ja China mit US-Strafzöllen belegt.

 Hardt Die US-Regierung ist der Auffassung, dass die Art und Weise, wie China zum Beispiel seinen Stahl auf den Markt bringt, nicht fair ist und auch nicht im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO steht.

 Hat sie damit  recht?

Hardt Klar ist, dass es auch in Europa Kritik an den chinesischen Handelspraktiken gibt. Insofern wäre es wichtig, dass Europa und die USA eine gemeinsame Position zu diesem Problem formulieren und abgestimmte Forderungen, um dem Problem beizukommen.

 Aber Deutschland und China sind beim Handel eng verzahnt. Also trifft Trumps Bann gegen Peking doch auch unser Land.

Hardt Einerseits ist zu befürchten, dass sich China für seine Produkte, die es nicht mehr in die USA liefern kann, andere Märkte sucht und sich der Preiskampf gerade auf dem europäischen Markt  weiter verschärft. Zum anderen ist aber zu bezweifeln, dass Strafzölle auf  chinesischen Stahl wirklich zu einem wesentlichen Rückgang der US-Importe  führen werden.

 Warum?

Hardt Die amerikanische Industrie ist doch darauf angewiesen, Stahl in guter Qualität und zeitgerecht zu bekommen. Ob die US- Stahlindustrie diese Lücke so einfach ausfüllen kann, ist nicht ausgemacht. Ein Effekt könnte sein, dass die US-Bürger und die heimische Wirtschaft mehr Geld für Produkte aus Stahl bezahlen müssen. Und das ist das Gegenteil, was Donald Trump seinen Landsleuten versprochen hat.

 Was hat Europa als Druckmittel  gegen  Trump in der Hand?

Hardt Europa ist die einzige Wirtschaftsmacht auf der Welt, die den USA ebenbürtig ist. Das weiß der US-Präsident. Das hat in Washington anfangs auch  einige Skepsis gegenüber der Europäischen Union verursacht. Inzwischen sehe ich aber Anzeichen dafür, dass das Weiße Haus auf gemeinsame Aktionen im Interesse eines fairen Welthandels setzen könnte. Diese Chance muss die EU nutzen.

Mit Jürgen Hardt
sprach Stefan Vetter