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| 17:04 Uhr

Politik
Triumph und Wut der 50.000 Kohlegegner

Tausende demonstrieren für den Erhalt des Hambacher Waldes.
Tausende demonstrieren für den Erhalt des Hambacher Waldes. FOTO: dpa / Christophe Gateau
Kerpen. Am Tag nach dem Etappensieg für den Hambacher Forst feiern Tausende. Es gibt aber auch viel Groll über die NRW-Landesregierung. Von Elke Silberer

Die Stunden des Triumphs finden auf einem staubigen Acker im Rheinischen Tagebaurevier statt. Die Sonne scheint. Der uralte Hambacher Forst ist von hier zu sehen. Daneben blitzt der Krater des Braunkohletagebaus Hambach auf. 50 000 Menschen sind am Samstag nach Veranstalterangaben aus ganz Deutschland zum Protest von Umweltverbänden wie BUND und Greenpeace gekommen – die Polizei wird später von bis zu 30 000 sprechen. „Das ist der größte Anti-Kohle-Protest, den es bisher gegeben hat“, ruft eine junge Frau von einer Bühne begeistert in die Menge. Und aus dieser brandet stakkatohaft der Ruf auf: „Hambi bleibt, Hambi bleibt, Hambi bleibt!“

Es ist der bunte und fröhliche Abschluss dramatischer Wochen im Hambacher Forst: Am Freitag zuletzt die überraschende Eilentscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster, dass der Energiekonzern RWE in dem uralten Wald vorerst keine weiteren Bäume abholzen darf – bis zu einer Gerichtsentscheidung über eine Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Davor die wochenlange Räumung von Baumhäusern junger Waldbesetzer, mit einem Großaufgebot der Polizei: Beamte mit Helmen und Schutzschilden. Und einem Toten.

Der junge Journalist, der von einer Hängebrücke aus großer Höhe abstürzte, ist nicht vergessen: In einer Schweigeminute am Samstag weicht die Festivalstimmung der Betroffenheit. Und sie weicht noch einmal der Empörung, dass Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) die Aktivisten gleich danach aufforderte, von den Bäumen zu herunter zu kommen.

Empörung und Wut über die NRW-Landesregierung hat an diesem Tag viele Facetten: „Dass Baurecht für die Räumung missbraucht wurde, das war für mich eine Machtdemonstration. Das hat mich wütend gemacht“, sagt die 50-jährige Düsseldorferin Sandra Shebeika. Die Wut hat sie hergetrieben auf diesen Acker. Die Landesregierung hatte die Baumhäuser nicht für die Braunkohle räumen lassen, sondern erklärtermaßen aus Sicherheitsgründen.

„Ich hatte nicht gedacht, dass Politik von Geld so eingenommen werden kann“, kritisiert eine 63-Jährige, ebenfalls aus Düsseldorf, die schwarz-gelbe Landesregierung. Für ihre Enkelkinder sei sie jetzt hier, für sie will sie den Kohleausstieg. Ein Großteil der Demonstranten gehört zu der jungen Generation. Zu dem Zeitpunkt sind noch Tausende Menschen zu Fuß auf dem Weg zu dem Acker – ein Gericht hatte ein Demonstrationsverbot erst am Vortag gekippt.

Die Polizei hält sich zurück. Selten hat man die Polizisten in den vergangenen Wochen so entspannt gesehen – selbst als Menschen in den Hambacher Wald und an die Tagebaukante von Hambach strömen.