| 17:49 Uhr

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl gestorben

Helmut Kohl. Foto: Reiner Voß/Archiv
Helmut Kohl. Foto: Reiner Voß/Archiv
Cottbus/Berlin.. Der frühere Bundeskanzler und Begründer der deutschen Einheit 1990, Helmut Kohl, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Auf Twitter gibt die CDU, deren Vorsitzender Helmut Kohl lange Jahre war, ihrer Trauer Ausdruck.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (1930 bis 2017) ist im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) gestorben. Dies bestätigte Kohls Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner am Freitag. Die Bundespartei CDU schrieb am Freitagabend auf Twitter: "Wir trauern" und brachte ein schwarz-weiß gehaltenes Foto des Altkanzlers.

Bild.de berichtete, Kohl sei am Freitagmorgen gestorben. Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank und saß im Rollstuhl. 2015 hatte sich sein Zustand verschlechtert. Nach monatelangem Klinikaufenthalt kam er aber wieder zu Kräften. Im April 2016 hatte er zu Hause in Oggersheim Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfangen.

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert - 16 Jahre und so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war Wegbereiter der Europäischen Union und einer gemeinsamen Währung. Der langjährige CDU-Vorsitzende wird vor allem als Kanzler der deutschen Einheit gefeiert.

Nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 erkannte Kohl, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

Von 1969 bis 1976 war der geborene Ludwigshafener Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, von 1973 bis 1998 war er CDU-Bundesvorsitzender. Anfang der 90er Jahre war Kohl Ziehvater von Angela Merkel in Bundesregierung und Partei. Wegen einer Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, forderte Merkel Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei zur Loslösung vom Übervater auf. Ihr Verhältnis zu Kohl blieb bis zuletzt belastet.

Die sächsische CDU würdigte Kohl als großen Staatsmann und Europäer. Ohne ihn wäre die Deutsche Einheit nicht möglich gewesen, "deshalb haben wir Ostdeutschen ihm viel zu verdanken", sagte der Generalsekretär und stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Kretschmer.