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| 18:59 Uhr

Lage von Alleinerziehenden
Besonders schwer, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen

Alleinerziehende profitieren nicht von der anhaltend guten Lage am Arbeitsmarkt und den steigenden Löhnen.
Alleinerziehende profitieren nicht von der anhaltend guten Lage am Arbeitsmarkt und den steigenden Löhnen. FOTO: dpa / Marcel Kusch
Berlin. Bundesamt legt Daten vor: Die Zahl der Betroffenen steigt, die Armutsquote ist leicht gesunken. Von Vetter

Alleinerziehende in Deutschland haben es nach wie vor besonders schwer, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte dazu am  Donnerstag aktuelle Daten, die auch den politischen Handlungsbedarf verdeutlichen.

Wie viele Alleinerziehende gibt es?

2017 lebten in Deutschland  insgesamt 8,2 Millionen Familien mit mindestens einem Kind. Das waren 1,2 Millionen weniger als noch vor 20 Jahren. Entgegen diesem Trend nahm die Zahl der Alleinerziehenden im gleichen Zeitraum jedoch um 200 000 auf gut 1,5 Millionen zu. Das ist mittlerweile knapp jede fünfte Familie. Aktuell werden 2,4 Millionen Kinder in einem Haushalt mit nur einem Elternteil groß. Das sind knapp 17 Prozent aller Kinder. Die allermeisten Alleinerziehenden sind Frauen. Nur etwa jeder Zehnte ist männlich. Als Alleinerziehende im statistischen Sinne gelten Mütter und Väter, die ohne Partner im Haushalt leben. Ob und inwieweit sich der andere Elternteil oder ein Partner außerhalb des Haushalts an der Erziehung beteiligt, wird nicht erfasst.

Wie steht es um die Erwerbsbeteiligung?

27 Prozent der alleinerziehenden Mütter waren 2017 ohne Beschäftigung. Mehr als die Hälfte von ihnen (55 Prozent) zeigte sich allerdings an der Aufnahme eines Jobs interessiert. Als häufigsten Hinderungsgrund  gaben die Betroffenen „familiäre und persönliche“ Motive an. Unter dem Strich liegt das Pro-Kopf-Einkommen von Allein­erziehenden um rund ein Fünftel niedriger als bei Paar-Haushalten mit Kindern.   Kaum jede zweite alleinerziehende Mutter (42 Prozent) mit einem Job arbeitet in Vollzeit. Unter den alleinerziehenden Vätern liegt die Vollzeitquote dagegen doppelt so hoch. Die Statistiker vermuten, dass hier traditionelle Familien-Muster eine Rolle spielen.

Sind Alleinerziehende besonders von Armut betroffen?

Eindeutig ja.  Grundsätzlich gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Nach dieser Definition  ist das Armutsrisiko für Allein­erziehende (33 Prozent) trotz einer leichten Verbesserung in den letzten Jahren immer noch doppelt so hoch wie im Schnitt der Bevölkerung (16 Prozent). Fast zwei Drittel der Alleinerziehenden  können nach aktuellem Stand zum Beispiel keine unerwarteten Ausgaben von rund 1000 Euro stemmen. Im Bevölkerungsdurchschnitt ist es nur knapp ein Drittel. „Finanziell stehen Alleinerziehende und ihre Kinder nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben“, resümierte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel. Deshalb seien familienpolitische Maßnahmen  für diese Menschen „eine besonders wichtige Unterstützung“.

Was tut die Politik gegen die Probleme?

Ein  verstärkter Ausbau der öffentlichen Betreuung sowie die Reduzierung oder gar Abschaffung der Kita-Gebühren, wie es in manchen Bundesländern schon praktiziert wird, dürfte Alleinerziehenden ganz besonders nützen. Auch von dem im Vorjahr nachgebesserten Unterhaltsvorschuss können immer mehr Ein-Eltern-Haushalte profitieren. Außerdem peilt die Bundesregierung eine Erhöhung des Kinderzuschlags an. Er wird Eltern gewährt, die zwar den eigenen Bedarf durch ihr Erwerbseinkommen abdecken  können,  aber  nicht  den ihrer Kinder.

Keine erfreulichen Daten: Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, sortiert  seine Unterlagen.
Keine erfreulichen Daten: Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, sortiert seine Unterlagen. FOTO: dpa / Jens Büttner