| 13:17 Uhr

Gemäßigter Kandidat scheitert
AfD komplettiert Führungsspitze bei turbulentem Parteitag

Die neue AfD-Spitze: Jörg Meuthen (r.) und Alexander Gauland beim Bundesparteitag in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte
Die neue AfD-Spitze: Jörg Meuthen (r.) und Alexander Gauland beim Bundesparteitag in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte FOTO: Julian Stratenschulte
Hannover. Der zweitägige AfD-Parteitag in Hannover wird heute mit weiteren Wahlen zum Bundesvorstand fortgesetzt. Auch Richter für das Schiedsgericht der Partei sollen bestimmt sowie Satzungsfragen behandelt werden. dpa

Nach den turbulenten Auseinandersetzungen um die Parteispitze hat der AfD-Bundesparteitag Klaus-Günther Fohrmann als Bundesschatzmeister im Amt bestätigt.

Frank-Christian Hansel, der für die AfD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, erntete in Hannover Applaus für seine Einschätzung, „dass die Altparteien seit einiger Zeit an der Alternative zu Deutschland arbeiten“.

Die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel, wurde als Beisitzerin im Parteivorstand bestätigt worden. Bei der Abstimmung erhielt Weidel 69 Prozent der Stimmen. In ihrer kurzen Bewerbungsrede dankte sie den AfD-Mitgliedern für ihren Einsatz im Wahlkampf. Die AfD habe bei der Bundestagswahl im September einen „historischen Erfolg“ erzielt.

Das danach ausgebrochene „Regierungbildungschaos“ sei bezeichnend für den Zustand der „Altparteien“, betonte Weidel. „Die Merkel-Dämmerung ist längst eingetreten. Das waren wir.“ Deutschland habe mit der AfD wieder eine echte Opposition. Die anderen Parteien hätten Deutschland offensichtlich aufgegeben und würden es „verscherbeln“.

Am Samstag waren der Europaabgeordnete Jörg Meuthen und Bundestags-Fraktionschef Alexander Gauland als gleichberechtigte Vorsitzende gewählt worden. Der als vergleichsweise gemäßigt geltende Berliner Landeschef Georg Pazderski war mit seiner Kandidatur gescheitert. Er wurde später zum ersten Parteivize bestimmt. Als weitere Stellvertreter konnten sich die Bundestagsabgeordneten Kay Gottschalk und Albrecht Glaser durchsetzen.

Gauland und Meuthen kündigten an, die AfD zusammenhalten zu wollen. Meuthen sagte, der Ausgang der Wahl sei so nicht erwartet worden ; es sei aber ein „gutes und ehrliches Ergebnis“. Die AfD sei nicht gespalten. Es sei völlig normal, dass es unterschiedliche Flügel gebe.

Gauland betonte, er habe die Wahl nicht angestrebt. „Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen“, sagte der 76-Jährige. Die Partei sei wegen des Patts bei vorangegangenen Abstimmungen in einer gefährlichen Situation gewesen.

Gauland war im dritten Wahlgang für den Co-Vorsitz neben Meuthen als einziger Kandidat angetreten. Er erhielt 68 Prozent der Stimmen. Zuvor waren zwei Wahlgänge ohne Ergebnis geblieben, weil weder Pazderski noch seine überraschend angetretene Gegenkandidatin, die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein, eine ausreichende Mehrheit bekamen.

Meuthen hatte ohne einen Gegenkandidaten 72 Prozent der Stimmen erhalten. 24 Prozent stimmten gegen ihn. Der 56-Jährige ist bereits seit 2015 einer der Vorsitzenden der AfD, zunächst amtierte er zusammen mit Petry, die nach der Bundestagswahl die Partei verlassen hat. Er hat trotz seines wirtschaftsliberalen Hintergrundes viele Unterstützer aus dem rechtsnationalen Flügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke.

Die Neuwahl der Führung stand im Mittelpunkt des Delegiertenparteitages, der am Samstag von Demonstrationen und Protesten begleitet wurde. Rund 6500 AfD-Gegner demonstrierten nach Polizeiangaben im Stadtzentrum. Ihre Kundgebung stand unter dem Motto „Unser Hannover - bunt und solidarisch! - Protest gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus“.

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