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| 20:10 Uhr

Flughafen Düsseldorf
Pro Asyl kritisiert Abschiebeflug nach Afghanistan

Flugzeug am Flughafen München (Symbolbild).
Flugzeug am Flughafen München (Symbolbild). FOTO: dpa
Düsseldorf. Ein erneuter Abschiebeflug nach Afghanistan soll Pro Asyl zufolge am Dienstagabend ab Düsseldorf starten. Die Menschenrechtsorganisation kritisierte die Bundesregierung als "unverantwortlich".

Am Dienstagabend ist vom Düsseldorfer Flughafen aus ein weiterer Abschiebeflug nach Afghanistan gestartet. Das bestätigten Sprecher der Bundespolizei und der Diakonie. Es ist die zwölfte Sammelabschiebung von Deutschland nach Afghanistan.

Wie viele Asylbewerber in der Maschine saßen, teilten die Sprecher nicht mit.
Die Abschiebepraxis ist umstritten: "Wir halten diesen Abschiebeflug für unverantwortlich", erklärte Günter Burkhardt, Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Noch vor wenigen Tagen seien bei einem Bombenanschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mehr als 50 Menschen in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen.

"Erneut findet wenige Tage nach einem entsetzlichen Anschlag in Kabul mit Dutzenden Toten eine Sammelabschiebung nach Afghanistan statt", erklärte die Linken-Politikerin Ulla Jelpke. "Das ist an Zynismus kaum zu überbieten."

Deutschland schiebt seit Dezember 2016 wieder nach Afghanistan ab. Das betrifft jedoch nur Menschen, die als Straftäter oder als Gefährder eingestuft sind oder die nach Einschätzung der Behörden etwa ihre Identität hartnäckig verschleiern.

Pro Asyl kritisierte, die letztere Kategorie sei "insbesondere in der bayerischen Behördenpraxis zum Universalinstrument" zur Vorbereitung von Abschiebungen geworden. "Wer einmal auf Geheiß der Ausländerbehörde ein Dokument nicht besorgt hat oder nicht besorgen konnte, schon dem droht der Abschiebungsflug", erklärte die Organisation.

Seit Beginn der Charterabschiebungen im Dezember 2016 wurden der Organisation zufolge 198 Afghanen abgeschoben, davon 86 aus Bayern. Die Abschiebeflüge werden wegen der Sicherheitslage in Afghanistan scharf kritisiert.

Der NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) verteidigte dagegen die Abschiebeflüge. Eine Rückführung in den Großraum Kabul sei zumutbar. Dies bestätige auch eine Einschätzung des Auswärtigen Amtes, erklärte Stamp am Dienstag in Düsseldorf.

(eler)