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| 07:26 Uhr

Jerusalem
Abbas erbost Israel mit antisemitischer Rede

Jerusalem. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat mit einer antisemitischen Rede in Ramallah die israelische Führung erzürnt. Die Juden seien durch ihre "soziale Funktion" und als "skrupellose Geldverleiher" selbst schuld an den Pogromen in Europa und dem Holocaust, erklärte er am Montag vor dem Nationalrat, dem Parlament der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Abbas, so kommentierte Israels Bildungsminister Naftali Bennett von der Siedlerpartei Israel Beteinu, sei "von Kopf bis Fuß von Antisemitismus durchtränkt". Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von dem "Gipfel von Unwissenheit und Frechheit". Susanne Knaul

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat mit einer antisemitischen Rede in Ramallah die israelische Führung erzürnt. Die Juden seien durch ihre "soziale Funktion" und als "skrupellose Geldverleiher" selbst schuld an den Pogromen in Europa und dem Holocaust, erklärte er am Montag vor dem Nationalrat, dem Parlament der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Abbas, so kommentierte Israels Bildungsminister Naftali Bennett von der Siedlerpartei Israel Beteinu, sei "von Kopf bis Fuß von Antisemitismus durchtränkt". Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von dem "Gipfel von Unwissenheit und Frechheit".

"Die Verantwortung für das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte trägt Deutschland", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gegenüber der "Welt". Deutschland trete gegen jegliche Relativierung des Holocaust ein. Die Erinnerung "bleibt uns Mahnung und Auftrag, weltweit jeder Form von Antisemitismus sehr entschlossen zu begegnen", so der Minister.

Der Palästinenserpräsident gibt sich gern als Kenner des Holocaust. 1982 promovierte er in Moskau über die geheime "Verbindung zwischen Nationalsozialismus und Zionismus". Vor wenigen Jahren erschien mit Bezug auf seine Dissertation das Buch "Die zweite Hälfte". Gemeint ist die zweite Hälfte der Verantwortung für den Mord an den Juden in Europa. Die zionistische Bewegung, so erklärt Abbas in dem Buch, "stieß nicht auf großen Enthusiasmus unter den Juden in der Welt". Die Verfolgung der Juden in Europa habe ihre Bereitschaft zum Umzug nach Palästina angetrieben. Außerdem hofften die Zionisten "mit steigender Opferzahl auf größere Privilegien nach dem Krieg".

Später relativierte der Palästinenserpräsident seine Thesen, nannte den Holocaust ein "schreckliches, unverzeihbares Verbrechen gegen die jüdische Nation" und korrigierte die von ihm anfangs auf nur gut 800.000 veranschlagte Zahl der in Konzentrationslagern ermordeten Juden. Abbas gilt als Pragmatiker. Bereits in den 70er Jahren unterhielt er Kontakte zur israelischen Linken. Gemeinsam mit dem früheren israelischen Außenminister Schimon Peres unterzeichnete er 1993 das Osloer Prinzipienabkommen zur schrittweisen Autonomie und Zweistaatenlösung. Dennoch kommt ihm, ob gewollt oder nicht, regelmäßig ein Satz über die Lippen, der ihn als Antisemiten entlarvt. So schimpfte er während der Krise um den Tempelberg auf die "dreckigen jüdischen Füße", die die heilige muslimische Plattform vor der Al-Aksa-Moschee nicht betreten sollten.

Fast 50 Jahre verbrachte Abbas im Exil, nachdem er als 13-Jähriger aus seiner Heimatstadt Sefad fliehen musste. Seit seiner Rückkehr 1994 nach Ramallah verfolgt er einen Balanceakt zwischen scharfer anti-israelischer und bisweilen anti-jüdischer Polemik einerseits und Realpolitik auf der anderen Seite. Auch seine Rede vor dem PLO-Nationalrat spiegelte die zwei Herzen des Palästinenserpräsidenten. "Wir stehen auf der Seite derer in Israel, die den Frieden unterstützen", sagte er und bekräftigte seine Bereitschaft zur Kooperation mit dem Ziel der zwei Staaten.