Die LAUSITZER RUNDSCHAU sowie die Potsdamer Neuesten Nachrichten hatten die Spitzenpolitiker eingeladen. Moderiert von RUNDSCHAU-Korrespondent Johann Legner, ging es um Euro-Rettung, Bankenpleiten und das bayerische Grundgesetz.

Sahra Wagenknecht zeigte sich gewohnt angriffslustig. Sie sprach von "brutalen Bankenrettungsschirmen, von denen die Millionäre profitieren". Die soziale Komponente in der Politik gerate immer mehr in den Hintergrund. In den vergangenen zehn, 15 Jahren habe Europa eine völlige Fehlentwicklung genommen. Politik müsse künftig wieder im Interesse der Menschen gemacht werden. "Wir brauchen deshalb mehr Gegenwehr", erklärte sie.

Die gab es an diesem Abend nicht. Stattdessen spendeten die Besucher immer wieder Beifall. Selbst der streitbare CSU-Politiker Peter Gauweiler pflichtete ihr bei, lobte sogar mehrfach Wagenknechts neues Buch. Früher habe es in seiner Partei "Freiheit oder Sozialismus" geheißen, erklärte Gauweiler. "Heute heißt es Freiheit oder Goldman Sachs." Der Bayer warnte davor, dass künftig die Politik nur noch in Brüssel gemacht werde. "Es hat doch keinen Sinn, dass das Zentralkomitee in Moskau abgeschafft und in Brüssel wieder neu aufgebaut wird", so Gauweiler. "Wir müssen die kleinen Einheiten stärken", ergänzte Gauweiler und meinte damit den Politiker, der seinem Wähler im Wahlkreis noch Rechenschaft über seine Arbeit ablegen muss. Der CSU-Mann meinte aber auch den Familienunternehmer, der für die Arbeitsplätze sorge.

Wolfgang Neskovic verfolgte mit seiner Argumentation einen ähnlichen Ansatz. Doch zuvor gab es von ihm ein Plädoyer für den Sozialstaat. "Mit Wegfall des Konkurrenzsystems hat der Turbokapitalismus noch einmal einen richtigen Lauf bekommen", sagte er. Dabei sei gerade das Sozialstaatsprinzip wichtig, damit sich die Menschen auf Augenhöhe begegnen könnten, betonte er. Brüssel bekam allerdings auch von Neskovic sein Fett weg. EU-Politiker würden immer mehr über die wichtigen Fragen entscheiden. Die Möglichkeit des Einzelnen, Einfluss zu nehmen, gehe drastisch zurück. Für die Demokratie sie das ein riesiger Verlust, sagte Neskovic, der sich anschließend noch als großer Fan des bayerischen Grundgesetzes zu erkennen gab und einige Passagen sogar zitierte. Sehr zur Freude des Publikums - und vor allem seines bayerischen Gesprächspartners, der neben ihm auf der Couch auf der Bühne des Weltspiegels saß.

Peter Gauweiler hatte sich schließlich für einen versöhnlichen Abschluss des Abends entschieden. "Wir haben derzeit den besten Staat, den die Deutschen je hatten, den müssen wir verteidigen", sagte er. Dass es keine Widerworte seiner Mitstreiter auf dem Podium gab, mag daran gelegen haben, dass die Veranstaltung danach offiziell für beendet erklärt wurde.