Tapfer kommentierte Polens neue Regierungschefin Ewa Kopacz die erste Niederlage ihrer Partei nach neun Jahren: "In elf Monaten gewinnen wir die Parlamentswahlen. Ich glaube fest daran!" Doch ihr Lächeln wirkte wie gefroren. Zwar lagen die endgültigen Ergebnisse der Landtags- und Kommunalwahlen noch nicht vor, doch die sogenannten Exit-Polls oder Nachwahl-Befragungen der Bürger vor den Wahllokalen waren niederschmetternd genug: 27,3 Prozent der Stimmen für die liberal-konservative Bürgerplattform (PO) und 31,5 Prozent für die rechts-nationale Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (Pis).

Dabei hatte die Umfragen in den vergangenen Wochen die Regierungspartei wieder vorn gesehen. Dass der bisherige Premier Donald Tusk die Regierungsgeschäfte in Polen niederlegte, um am 1. Dezember den Posten des EU-Ratspräsidenten in Brüssel anzutreten, schien bei den Wählern gut anzukommen.

Einmal mehr verlieh sie der PO den Glanz einer in ganz Europa anerkannten erfolgreichen Partei. Gut kam auch an, dass mit Ewa Kopacz eine erfahrene Politikerin an die Spitze aufrückte. Die Vergleiche mit Kanzlerin Merkel waren durchaus wohlwollend. Und nun der Absturz. Schlechter schlossen nur noch das Bündnis der demokratischen Linken, die Nachfolgerpartei der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei aus der realsozialistischen Zeit Polens, und die linksalternative Partei "Deine Bewegung" von Janusz Palikot ab.

Das Ergebnis der Wojwodschafts- (Landtags-) und Kommunalwahlen ist in Polen deshalb von so großer Bedeutung, weil die EU-Milliarden aus Brüssel vor allem auf dieser Ebene ausgegeben werden.

Das Wählervotum für die rechtsnationale Pis hat aber weniger mit dem Programm dieser Partei zu tun als mit dem Wohnort der Wähler.

Dort auch, im Osten Polens, wo die Menschen ärmer, katholischer und europaskeptischer sind als in Westpolen, stimmte die Mehrheit für Pis. Im Osten, wächst sein Monaten die Angst vor einem möglichen Angriff aus Russland, dem die Nato kaum etwas entgegenzusetzen habe.

In Ostpolen glauben die Menschen, Jaroslaw Kaczynski, der gerne den starken Mann insbesondere gegenüber dem Kreml markiert, könne sie eher schützen als Ewa Kopacz, die bei einer Gefahr "ins Haus rennen und die Tür hinter sich zuschlagen würde", wie sie selbst in einer ihrer ersten Erklärungen als neue Regierungschefin bekannte.

In Westpolen hingegen, wo die im Schnitt besser gebildeten, wohlhabenderen und weltoffeneren Polen leben, machte sich eine gewisse Müdigkeit gegenüber der Regierungspartei in Warschau bemerkbar. Die Wahlbeteiligung war hier denn auch wesentlich geringer als in Ostpolen. Das Wahlergebnis sei ein ernstes "Warnsignal für die Bürgerplattform", kommentierte Polens führende Tagezeitung Gazeta Wyborcza. Die Oppositionspartei, die seit neun Jahren eine Niederlage nach der anderen einstecken musste, werde dynamisch durchstarten zu den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im nächsten Jahr.

Auf die PO und die linken Parteien kommt intensive Basisarbeit in Ostpolen und insbesondere auf dem platten Land zu. Doch auch in Westpolen gilt es wieder Interesse für die Politik in Warschau zu wecken. Sonst bleiben im polnischen Superwahljahr 2015 noch mehr Bürger den Wahlurnen fern.