Der Deutsche Jagdverband fordert eine realistische Sicht auf den Wolf. „Ein "Willkommen Wolf" reicht nicht“, sagte Verbandspräsident Hartwig Fischer kurz vor Beginn des Bundesjägertages in Dresden. Im Interview der Deutschen Presse- Agentur spricht er auch über den Jäger als Artenschützer und Sicherheitsrisiken beim Waffenbesitz.

In Sachsen und anderswo wird in der Jägerschaft kontrovers über den Wolf diskutiert. Welche Auffassung vertritt die Spitze des Deutschen Jagdverbandes?
Ein „Willkommen Wolf“ reicht nicht. Wir beobachten die natürliche Rückwanderung mit Interesse und beteiligen uns aktiv am Monitoring. Wölfe vermehren sich derzeit mit über 30 Prozent pro Jahr, und das in einem dicht besiedelten Land. Wir betreten hier Neuland und müssen den Umgang mit dem großen Raubtier erst lernen. Die vor Jahren noch verkündete „natürliche Scheu“ gibt es offenbar nicht, wie uns zahlreiche Jungwölfe im Frühjahr deutschlandweit gezeigt haben. Wenn das Zusammenleben mit dem Wolf klappen soll, müssen wir ihn als großes Raubtier respektieren. Ein absolutes Tabu ist das Füttern der Wölfe, wie es tatsächlich in einigen Foren empfohlen wird. Wer Wölfe füttert gefährdet die gesamte Art.

Sollte man Wölfe unter bestimmten Umständen schießen?
Neugierigen Wölfen müssen wir zuallererst Scheu beibringen und für verhaltensauffällige Tiere muss es bundesweit abgestimmte Vorgehensweisen geben. Die Politik ist gefordert - auch auf Grundlage von Erfahrungen in anderen europäischen Ländern - zu entscheiden, wann ein Wolf geschossen werden muss. Die Sicherheit der Menschen muss höchste Priorität haben. Wir müssen die Sorgen der Betroffenen Menschen vor Ort ernst nehmen. Die meiste Unterstützung findet der Wolf in Großstädten, dort wo die Sehnsucht der Menschen nach Wildnis am größten ist und der Wolfskontakt am unwahrscheinlichsten. Wir erwarten klare Aussagen von der Politik, wie Konflikte im Sinne von Mensch-, Tier- und Artenschutz gelöst werden

Jäger regulieren den Tierbestand. Was tun sie für Artenschutz?
Bedrohte Arten wie Feldlerche, Kiebitz oder Brachvogel sind darauf angewiesen, dass wir den Lebensraum verbessern. Und dass wir Fressfeinde reduzieren. Der Fuchs hat seinen Bestand seit den 1980er Jahren verdreifacht wegen der erfolgreichen Tollwutimpfung, hinzu kommen neue Räuber wie der Waschbär oder der Mink. Wir brauchen die Jagd mit der Falle, Verbotspolitik ist nicht nachvollziehbar. Ebenso wie die zwiespältige Haltung einiger Naturschutzverbände. Der Nabu beispielsweise will auf der Bundesebene die Fallenjagd verbieten, setzt aber regional Fallen ein, um Vögel zu schützen. Dann heißt es „Prädatorenmanagement“. Wir nennen es Etikettenschwindel.

Schusswaffen sind nach diversen Vorfällen auch in Deutschland ein Thema? Sieht der Jagdverband da Handlungsbedarf?
Die meisten Straftaten werden mit illegalen Waffen durchgeführt, das ändern auch keine schärferen Gesetze. Die derzeitigen Gesetze etwa zur Waffenaufbewahrung sind mehr als ausreichend. Wenn natürlich die Pistole unterm Kissen und nicht im Waffenschrank liegt, ist das unverantwortlich. Wer aus kriminellen Motiven an Waffen gelangen will, wählt sicher nicht den Weg über die Jägerprüfung: Über 120 Stunden Theorieunterricht in Biologie, Fleischhygiene, Natur- und Jagdrecht oder Hundeausbildung sind nur etwas für Naturbegeisterte - nicht für gewaltbereite Extremisten.