Showdown in Stuttgart: Am morgigen Sonntag fällt definitiv die Entscheidung über den neuen Oberbürgermeister in Baden-Württembergs Hauptstadt. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Grünen Fritz Kuhn und dem von der CDU aufgestellten Unternehmer Sebastian Turner. Vor zwei Wochen kam Kuhn auf 36,5 Prozent der Stimmen, Turner auf 34,5 Prozent.

Für Fritz Kuhn wäre es eine Heimkehr: Er gehörte vor mehr als 32 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg. Vor rund zwölf Jahren verließ der Grünen-Realo Stuttgart, um in der Bundespolitik Karriere zu machen. Kuhn war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag.

Nun will er erster grüner Oberbürgermeister in einer Landeshauptstadt werden. Seine Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden. Auf ein Plakat hat er einen seiner typischen Slogans schreiben lassen: "Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben." Im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 will er ausgleichen, das Projekt selbst aber kritisch begleiten.

Der 1955 in Bad Mergentheim geborene Kuhn ist verheiratet und hat zwei Söhne. Zu seinen Hobbys sagt er: "Ich treibe regelmäßig Sport (Laufen), lese gerne Romane und koche urschwäbisch und italienisch - am liebsten Kässpätzle und Risotto."

Obwohl sich der Unternehmer Sebastian Turner (parteilos) mit Werbe-Kampagnen eigentlich bestens auskennen sollte, ist die Strategie des Werbe-Profis beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen nicht aufgegangen. Er lag nur auf Platz zwei hinter Kuhn. Turner hat im Wahlkampf nichts dem Zufall überlassen. Der Unternehmer gibt sich bodenständig. Mit einer händeschüttelnden Brezel wirbt er auf Plakaten für seine wirtschafts- und bildungspolitischen Ziele. Für eine Karriere als Politiker entschied sich Turner spät. "Mich reizt Neues", erklärte er.

Als Gründer einer Schülerzeitung und eines Magazins deutete bei Turner zunächst vieles auf einen journalistischen Berufsweg hin. Nach dem Wehrdienst studierte er in Bonn und in den USA Politik und Betriebswirtschaft. Später machte sich der 1966 im Harz geborene Turner als Werbeprofi einen Namen. Turner befürwortet das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21, erklärte aber immer wieder, die alten Gräben, die der Konflikt in Stuttgart aufgerissen hat, zuschütten zu wollen.