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Polit-Promis kämpfen um Plätze und Prestige

Hannover. In Hannovers Innenstadt hat das Kopf-an-Kopf-Rennen der Polit-Prominenz bereits begonnen. Je nach Perspektive ist bei den Plakaten in der Fußgängerzone mal das Porträt von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), mal das der früheren SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi vorne. Ralf E. Krüger

Während in Berlin kaum eine Handvoll mehr oder weniger bekannter Politiker zur Bundestagswahl antreten, liefern sich in Niedersachsen, aber auch im Saarland je zwei politische Schwergewichte Wahlkampf-Duelle: Neben Fahimi und von der Leyen treten zudem an der Saar auch noch die Minister Heiko Maas (SPD) und Peter Altmaier (CDU) gegeneinander an.

Beim Ministerduell im saarländischen Wahlkreis 297 (Saarlouis) geht es weder für Kanzleramtschef Altmaier noch für Bundesjustizminister Maas (SPD) wirklich um den Einzug in den Bundestag. Beide führen die jeweilige Landesliste ihrer Partei an - daher hat auch der Verlierer des Direktmandats einen Platz im Bundestag sicher. Es geht also vor allem ums Prestige. Maas kandidiert erstmals für den Bundestag, Altmaier hat den Wahlkreis schon 2009 und 2013 für die CDU gewonnen - zuletzt mit 44,5 Prozent der Stimmen gegen den SPD-Kandidaten Reinhold Jost (34,9 Prozent).

Der SPD-Landesvorsitzende Maas ist jedoch keineswegs chancenlos - weder kann der Kreis Saarlouis als "natürlicher" CDU-Wahlkreis gelten noch ist Altmaier unbesiegbar. Denn Altmaier hat sich seit 1994 immer wieder um das Direktmandat beworben, ist aber vier Mal von seinem linken SPD-Gegenkandidaten Ottmar Schreiner (1946 bis 2013) klar geschlagen worden. Der Wahlkreis Saarlouis besteht aus den Kreisen Saarlouis und Merzig-Wadern mit insgesamt 266 000 Einwohnern.

Auch für die CDU-Kandidatin von der Leyen ist das Risiko gering: Die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht steht als Top-Kandidatin auf Platz eins der CDU-Landesliste. Rein rechnerisch müsste ihre Partei daher einen Komplettabsturz hinlegen, um die Kandidatur der Christdemokratin zu gefährden. Für die SPD-Kandidatin Fahimi dagegen sieht das anders aus. In der von Thomas Oppermann angeführten Landesliste ihrer Partei liegt sie nur einen Platz vor Ex-Parteichef Sigmar Gabriel auf Rang 24. Beide Frauen haben ihre berufliche Verankerung in Berlin, ihren privaten Lebensmittelpunkt jedoch in Niedersachsen: Die umfangreiche Familie der siebenfachen Mutter von der Leyen lebt dort. "Hannover ist das kräftige Herz Niedersachsens und das Zentrum auch meines Lebens", sagt die CDU-Politikerin. "Ich mag, wie die Stadt sich verändert und dabei immer geerdete Heimat für seine Menschen bleibt."

Auch Fahimi hat familiäre Bande in Hannover. "Ich bin ein Kind Hannovers", sagt die frühere Gewerkschaftssekretärin und heutige Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Sie hat als Pendlerin auch heute noch ihren Wohnsitz in Niedersachsen.

Und die Kanzlerin? Der Wahlkreis 15, zu dem neben der Ferieninsel Rügen auch die Hansestädte Stralsund und Greifswald samt Umland gehören, war bisher fest in der Hand von Angela Merkel (CDU). Seit der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 hat sie dort immer gewonnen - 2013 mit dem Spitzenergebnis von 56,2 Prozent. Mit medienträchtigen Kampfansagen versucht sich nun aber AfD-Landeschef Leif Erik Holm gegen sie in Stellung zu bringen.

Der frühere Radiomoderator, noch vor knapp einem Jahr mit seiner Partei bei der Landtagswahl hinter der SPD, doch vor der CDU auf Platz zwei, tritt in Merkels Wahlkreis an. Sein nimmermüde formuliertes Ziel: der CDU-Vorsitzenden das Direktmandat abnehmen. "Wir wollen Frau Merkel nach Hause in die Uckermark schicken", lautet auf Wahlkundgebungen der Standardsatz. Doch obwohl die AfD in Nordvorpommern zur Landtagswahl 2016 fast ein Drittel der Wähler hinter sich brachte, in der CDU-Hochburg Direktmandate holte und landesweit in Umfragen auch jetzt noch bei etwa 20 Prozent liegt, werden Holm keine realistischen Chancen gegen Merkel eingeräumt.

Und die Bundeshauptstadt Berlin? Im von vielen Plattenbauten geprägten östlichen Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf treten schon zum wiederholten Male Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und Kulturstaatsministerin im Kanzleramt, Monika Grütters (CDU), gegeneinander an. Pau hatte immer die Nase vorn, zuletzt 2013, dies wird auch dieses Mal erwartet. Beide Politikerinnen sind zugleich die Spitzenkandidatinnen ihrer Parteien auf der Liste.