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| 01:14 Uhr

Polens Irak-Division ist komplett

Bei drei Angriffen auf US-Soldaten im Irak sind gestern erneut zehn Amerikaner verletzt worden. Einer der irakischen Angreifer wurde getötet, ein sechsjähriger Junge verletzt. Der polnische General und Strategieexperte Stanislaw Koziej hat angesichts der Häufung von Attacken auf Soldaten im Irak vor einer Eskalation gewarnt. „Die Anschläge können viele Jahre andauern und werden immer besser organisiert“, so Koziej gegenüber polnischen Medien. Aus Warschau berichtet <br> Paul Flückiger

Polen hat seine Irak-Division unterdessen zusammen. Bis Mitte August sollen rund 9200 Soldaten aus 16 Nationen unter polnischem Oberbefehl in der Mittleren Südzone um die Stadt Kut einsatzbereit sein; zwei Wochen später übernehmen die Polen die volle Verantwortung. Am Mittwoch begab sich der Oberbefehlshaber der Division, General Andrzej Tyszkiewicz, zusammen mit 250 Logistiksoldaten von Wroclaw (Breslau) über Kuwait nach Babylon, wo das Hauptquartier errichtet werden soll.

Das unerwartete Angebot
Polen, das im Irakkrieg nur 183 Mann im Fronteinsatz hatte, war im April von den Amerikanern eingeladen worden, einen eigenen Sektor zu übernehmen. Lange Zeit schien unklar, ob es Warschau gelingen würde, diese Division auch aufzustellen. "Zu Beginn haben sich die Konferenzteilnehmer über die polnischen Absichten lustig gemacht", erinnert sich ein hoher Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Dies änderte sich, als die Nato Polen Ende Mai ihre logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung zugesagt hatte.
Nachdem Mitte Juni neben der Ukraine auch Spanien ein Kontingent von über tausend Mann zur Verfügung stellte, waren Polens Personalprobleme praktisch gelöst. Die polnische Besatzungszone wird in drei Unterterritorien aufgeteilt: Spanien, das 1300 Mann stellt, übernimmt mit den vier mittelamerikanischen Staaten Honduras, Salvador, Nikaragua und der Dominikanischen Republik einen Sektor entlang der saudischen Grenze.
Entlang der iranischen Grenze, in der Provinz Wasit, entsteht ein ukrainischer Sektor (1640 Mann). In dem zentralen polnischen Sektor in den Provinzen Babil und Karbala werden die Polen (2300 Mann) von Bulgarien (500 Mann), Rumänien (150), Lettland (145), die Slowakei (77), Litauen (45) und Ungarn unterstützt. Offiziere aus Dänemark, Norwegen und Holland werden im Zentralstab arbeiten, der auch auf amerikanische und britische Hilfe zählen kann. Bei der ersten Truppenrotation im Februar 2004 sollen Soldaten aus Fidschi, der Mongolei, Thailand und den Philippinen dazukommen. "Das wird eine sehr risikoreiche Mission", so Polens Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski.

USA decken die Hauptkosten
Wie lange der Einsatz dauert, könne niemand sagen, erklärte er. Polens Sicherheitsberater Marek Siewiec hat allerdings bereits von mehr als fünf Jahren gesprochen. Die Hauptkosten des polnischen Engagements decken die USA. Polen zahlt 135 Millionen Zloty (30 Millionen Euro), was rund einem Drittel entspricht.