Schon vor Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses war deutlich, dass in den Gemeinde- und Kreisräten der ländlichen Regionen und in den Kleinstädten die meisten Wähler für Kaczynskis Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) stimmten.
Die Großstädte dagegen bleiben überwiegend liberal oder links und auch in den Regionalparlamenten lagen die Liberalen ersten Auszählungen zufolge vor der PiS. Beobachter sprachen deshalb schon am Wahlabend von einer "gelben Karte" für die Regierung. Besorgnis erregte allerdings auch die niedrige Wahlbeteiligung von nur 44 Prozent.

Stichwahlen notwendig
"Das ist eine Niederlage der PiS", war die Soziologin Jadwiga Staniszkis überzeugt: "Das Ergebnis, ebenso wie die niedrige Wahlbeteiligung, sollten für die PiS ein Alarmsignal sein." In einer Reihe von Städten fällt erst in zwei Wochen in Stichwahlen die Entscheidung - auch in Warschau, wo es zum Duell zwischen dem früheren Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz (PiS) und der liberalen Kandidatin Hanna Gronkiewicz-Waltz (PO) kommt.
"Das ist der erste große Sieg der PO", ließ Jan Rokita von der liberalen Bürgerplattform nach dem guten Abschneiden von Gronkiewicz-Waltz einen Hauch von Champagnerlaune erkennen. "Es wird eng", meinte dagegen Parteichef Donald Tusk, der insgesamt einen "kleinen, aber deutlichen Erfolg" bei den Wahlen sah.

Beliebtester Politiker Polens
Denn Marcinkiewicz, den viele Polen nach wie vor am liebsten noch im Amt des Regierungschefs sehen würden, gilt als der beliebteste Politiker Polens. Das Wahlprogramm beider Bürgermeisterkandidaten in Warschau unterschied sich kaum - beide setzen auf Entwicklung von Wirtschaft und Infrastruktur.
Nach einem Jahr PiS-Regierung - erst in der Minderheit, dann in einer zwischenzeitlich geplatzten und wieder erneuerten Koalition mit der radikalen Bauernpartei Samoobrona und der nationalistischen Liga Polnischer Familien - galten die Kommunalwahlen als Test für das Stimmungsbild der Bevölkerung.
Deutlich geworden ist noch vor Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses: Polens Gesellschaft ist gespalten in liberale oder linke Großstadtbewohner und eher konservative Kleinstadtbewohner und Landbevölkerung. Zugleich aber verfügen meist weder PiS noch PO über ausreichend Stimmen, um allein regieren zu können. Damit wiederholt sich die Pattsituation nach den Parlamentswahlen, nach denen beide Parteien nur wenige Prozentpunkte auseinander lagen. Auf Zusammenarbeit setzt Marcinkiewicz, der sich gestern bereits für eine Große Koalition von PiS und PO aussprach - eine Koalition, die er gerne bereits als Regierungschef erreicht hätte. Anders als nach den Parlamentswahlen gehört PiS-Partner Samoobrona zu den Verlierern der Kommunalwahlen. Als "dritte Kraft" konnte sich dagegen das Mitte-Links-Bündnis behaupten.