Darin geht es, kurz und vereinfacht gesagt, um die bösen Deutschen von einst und die guten Deutschen von heute. Und es geht um die vermeintlich Bösen von heute, die sich vor allem im Ausland finden, zum Beispiel in Polen. Das jedenfalls suggeriert eine sekundenkurze Szene, in der die neue rechtskonservative Ministerpräsidentin Beata Szydlo in Gesellschaft von Donald Trump, Viktor Orbán, Geert Wilders und Marine Le Pen zu sehen ist, also quasi als Mitglied einer Clique der unangenehmen Zeitgenossen. Das wiederum löste lautstarke Proteste in Warschau aus und verschaffte Böhmermann den Platz in den TV-Nachrichten. Der Tenor der Empörung war: Die Deutschen wollen die Geschichte umdeuten und die Nazi-Historie gleichsam ausgliedern, nach Polen, Frankreich oder in die Niederlande.

Man könnte all das als absurden Kleinkrieg in unruhigen Zeiten abtun, würden sich derlei Aufgeregtheiten in Polen nicht regelmäßig wiederholen. Sie scheinen auch gänzlich unabhängig davon zu sein, wer gerade in Warschau regiert. Ziemlich genau drei Jahre ist es jetzt her, dass die ZDF-Weltkriegstrilogie "Unsere Mütter, unsere Väter" die Polen auf die Barrikaden trieb - ein Fall, in dem der pauschalierende Terminus "die Polen" ausnahmsweise seine Berechtigung hat, denn es war tatsächlich so gut wie kein Pole zu finden, der sich über den Film nicht empört hätte. Damals regierte übrigens der Liberalkonservative Donald Tusk. Was war geschehen? In dem ZDF-Dreiteiler wurden Soldaten der polnischen Untergrundarmee AK, die während der Besatzung gegen die Nazis kämpften, als antisemitische Mörderbande dargestellt. So zumindest empfanden viele Polen jene Szenen, in denen AK-Kämpfer Juden ihrem Schicksal überließen ("Sie sind besser tot als lebendig") und sich an antisemitischen Tiraden ergötzten ("Die Juden ertränken wir wie Katzen").

Die Debatte über den Film ist längst beendet. Das Thema aber bleibt aktuell. Fakt ist: In Polen herrscht seit Jahren ein in allen Gesellschaftsschichten weit verbreitetes Unbehagen, dass "die Deutschen" doch noch den vielzitierten Schlussstrich unter ihre finstere Vergangenheit ziehen wollen. Dieses Gefühl ist vorhanden, ganz unabhängig davon, wer regiert, unabhängig auch von Böhmermann-Videos. Man sollte dieses Unbehagen ernst nehmen.