Im Duell zwischen Erika Steinbach und Wladyslaw Bartoszewski, der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen und dem Deutschlandbeauftragten der polnischen Regierung, halten die Polen aber doch die Daumen für den Professor.

Im Grunde dreht sich der Streit um eine nebensächliche Personalie: Soll Erika Steinbach im Programmrat des geplantenBerliner Vertriebenenmuseums Sitz und Stimme erhalten oder nicht? Für die polnische Regierung hingegen wäre es ein Affront, ein Vertrauensbruch, der kaum wieder zu kitten wäre.

Als uneinsichtig geltend

Denn anders als der frühere BdV-Vorsitzende Herbert Hupka gilt die heutige Vertriebenenchefin Erika Steinbach den meisten Polen als uneinsichtige Tätertochter. „Sie kam mit Hitler in unser Land und musste mit Hitler verschwinden“, brachte Polens Außenminister Radoslaw Sikorski die Sicht der meisten Polen auf den Punkt. Damit spielte er auf den Geburtsort Steinbachs im nazibesetzten Polen an.

Ihre Eltern waren keine alteingesessenen Schlesier, Pommern oder Ostpreußen, die 1945 vertrieben wurden, sondern kamen mit den Nazis nach Polen – aus Hanau und Bremen. Schon vor gut zehn Jahren löste Steinbach größte Irritationen in Polen aus, als sie auf die Frage in einem FAZ-Interview „Würden Sie in Ihr Dorf bei Danzig zurückkehren?“ antwortete: „In meiner derzeitigen Situation nicht. Als Bundestagsabgeordnete kann ich nicht außerhalb der Staatsgrenzen leben. Wenn ich mal im Ruhestand bin, sieht die Welt anders aus.“ Schon damals fragten sich viele Polen, ob es auch Heimatvertriebene aus Frankreich gebe.

Steinbachs Appell an die Polen, die Vertreibungsgeschichte kritisch aufzuarbeiten, kam ebenfalls nicht gut an. Denn das hatten die Polen bereits in einem äußerst schmerzhaften Diskurs Anfang der 90er-Jahre getan. Damals war der jahrzehntealte Opfer- und Heldenmythos der Polen brüchig geworden.

Steinbach hatte nicht nur als CDU-Bundestagsabgeordnete gegen die endgültige Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze gestimmt, sondern auch vor der Aufnahme Polens und Tschechiens in die EU gewarnt. Die Kandidaten mussten sich einiges anhören. Von „Vertreiberländern“ war die Rede, von nicht aufgearbeiteten „Menschenrechtsverletzungen an Vertriebenen“, zu denen „Rückkehrrecht, Rückgaberecht und Heimatrecht“ gehörten. Später regte sie an: „Es bedarf keiner Kampfflugzeuge. Ein schlichtes Veto zur Aufnahme uneinsichtiger Kandidaten ist ausreichend.“ Zwar übernahm später die Firma „Preußische Treuhand“ die Eigentumsrückforderungen, von der sich Steinbach distanzierte.

Doch als zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes 2004 der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) erklärte, dass es heute keinen Raum mehr gebe „für Restitutionsansprüche aus Deutschland, die die Geschichte auf den Kopf stellen“ und die Bundesregierung auch keine Individualansprüche vor internationalen Gerichten unterstützen werde, nannte Steinbach das Verhalten des Kanzlers in Warschau „unanständig“.

Haltung angeprangert

Wenn der Auschwitzüberlebende Bartoszewski nun die mögliche Entsendung Steinbachs in den Stiftungsrat als so schlimm für die Polen bezeichnet, wie es eine Entsendung des Holocaustleugners Richard Wil liamson zum Bevollmächtigten des Vatikans für die Beziehungen zu Israel wäre, prangerte er damit die aus polnischer Sicht unversöhnliche Haltung Steinbachs gegenüber Polen an. Er bezichtigte sie nicht des Antisemitismus, wie einige Politiker in Deutschland meinten.

Als nun der Zeithistoriker Arnulf Baring treuherzig versicherte, dass er „keinen triftigen Grund sehe, warum Erika Steinbach nicht im Rat des ,Sichtbaren Zeichens' sitzen“ solle, konterte Bartoszewski sofort: „Wenn jemanden den Dummen vorgibt, weiß ich auch keinen Rat mehr“, erklärte er in der Tageszeitung Dziennik. „Frau Steinbach hat das Gefühl dafür verloren, wer sie ist. Wir können ihr nicht trauen.“