Der polnische Regierungschef Donald Tusk sagte bei einer Gedenkfeier am Westerplatte-Denkmal, die Grundlage der polnischen nationalen Identität sei die Erinnerung an die Helden. Künftige Museen sollten dem Erhalt des nationalen Gedenkens dienen, darunter das geplante Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig. An seiner Entstehung will auch die deutsche Seite mitwirken.
Tusk kündigte vor Journalisten an, seine Regierung wolle sich verstärkt darum bemühen, die polnische Sicht auf den Zweiten Weltkrieg zu verbreiten. Die Erkenntnisse über die „verhängnisvolle Verschwörung gegen die Menschlichkeit, die zwei Totalitarismen beschlossen hatten“, sollten zur „gültigen Wahrheit“ für künftige Generationen europä ischer Nationen werden, sagte Polens Ministerpräsident.
Hintergrund ist der Hitler-Stalin-Vertrag vom 23. August 1939, der eine Kooperation der beiden totalitären Staaten vorsah. Auf dieser Grundlage griff die Rote Armee am 17. September das gegen NS-Deutschland kämpfende Polen an und besiegelte dessen Schicksal. Staatspräsident Lech Kaczynski bezeichnete in einem Brief, der während der Veranstaltung verlesen wurde, den sowjetischen Einmarsch als „Wendepunkt“ im Kriegsverlauf.
Polens Regierung will den 70. Jahrestag des Kriegsausbruchs im kommenden Jahr als Großveranstaltung mit hochrangigen Repräsentanten der Siegermächte und Deutschlands begehen. Zum Ehrenvorsitzenden des Organisationskomitees wurde der Deutschland-Beauftragte der Regierung, Wladyslaw Bartoszewski, berufen. Er hatte als 17-jähriger Abiturient den Kriegsausbruch erlebt.
Das deutsche Kriegsschiff „Schleswig-Holstein“ eröffnete am 1. September 1939 um 4.45 Uhr das Feuer auf die polnischen Befestigungen auf der Westerplatte. Damit begann der Zweite Weltkrieg. Weltweit kamen bis 1945 insgesamt rund 60 Millionen Menschen ums Leben. Auf der Westerplatte leisteten 220 polnische Soldaten den zahlenmäßig überlegenen deutschen Truppen sieben Tage lang Widerstand.
Eine Gedenkfeier fand auch in der zentralpolnischen Stadt Wielun statt. Wie Historiker vor einigen Jahren herausgefunden haben, griffen deutsche Bomber die Stadt bereits um 4.40 Uhr morgens an, noch vor der Schiffsattacke. Getötet wurden zwischen 1200 und 2000 Menschen, zumeist Zivilisten. (dpa/ta)