Während in Deutschland über eine Lockerung des Sonntagshandels nachgedacht wird, geht man in Polen den anderen Weg. Nachdem es schon in diesem Jahr erste Einschränkungen gab, werden ab Januar nur noch am letzten Sonntag jedes Monats alle Läden öffnen.

„Bald habe ich an den meisten Sonntagen Zeit für meine Familie. Das wird schön“, freut sich die junge Verkäuferin in einem Slubicer Modegeschäft. Ihren Namen will sie aber lieber nicht verraten, denn ihr Chef – der Eigentümer des Ladens – dürfte die Lage ganz anders bestrachten. Nachdem schon in diesem Jahr der einst unbeschränkte Sonntagshandel auf das erste und das letzte Wochenende reduziert wurde, ging der Umsatz des kleinen Ladens zurück. „Viele ehemalige Kunden bestellen jetzt auch mehr im Internet“, nennt die Verkäuferin eine weitere Ursache dafür. Die jetzt bevorstehende Einschränkung auf nur noch einen verkaufsoffenen Sonntag im Monat könnte weitere Einbußen bedeuten.

Auf den Grenzbasaren ist die Situation etwas anders. Weil eine Ausnahmeregel besteht, laut der die Inhaber von Läden selbst arbeiten dürfen, wenn sie ihren Mitarbeitern frei geben, haben die meisten Stände weiterhin an allen Sonntagen geöffnet. „Doch man hat schon in diesem Jahr gemerkt, dass an den Sonntagen, an denen die Supermärkte geschlossen waren, auch weniger deutsche Kunden zu uns gekommen sind“, klagt der Gemüsehändler Tomasz Trapa.

Von dem Taxifahrer Ryszard Buwalek ist etwas Ähnliches zu hören: „Es kommen eindeutig mehr deutsche Kunden an solchen Sonntagen nach Słubice, an denen nicht nur die Basare, sondern auch die anderen Läden geöffnet sind“, sagt er. Auch für sein Geschäft erwartet der 62-Jährige deshalb ab Januar einen Rückgang.

Darauf, dass der Handel am siebten Tag der Woche  eingeschränkt wird, hatte vor allen Dingen die katholische Kirche gedrängt. Ihre Begründung lautet, dass Familien sonntags nicht shoppen oder arbeiten, sondern die freie Zeit gemeinsam nutzen sollten. Auch mehr Besucher in den Gottesdiensten hatte man sich davon versprochen.

Die national-konservative Regierungspartei PiS hatte daraufhin ein Gesetz beschlossen, dass die Sonntagsverkäufe seit diesem Jahr in drei Stufen einschränkt. 2019 soll es insgesamt nur noch 15 verkaufsoffene Sonntage im Jahr geben, ab 2020 nur noch sieben.

Freilich sind nach dem ersten Jahr die Effekte nicht ganz so eingetreten, wie es die Kirche und auch die Gewerkschaft „Solidarnosc“ erwartet hatten. Letztere hatte mit Blick auf die Verkäuferinnen und Verkäufer auch Einschränkungen gefordert.

„Die Polen haben in diesem Jahr nicht weniger Geld im Einzelhandel ausgegeben, sondern es gab eine Umverteilung“, zieht der Chef der zentralen Handelskammer, Waldemar Nowakowski, Bilanz. Der große Gewinner seien die Supermärkte, die ihre Öffnungszeiten an Sonnabenden zum Teil bis 23 Uhr oder gar Mitternacht verlängerten und die Käufer mit gezielten Werbeaktionen an Freitagen und Sonnabend anlocken. „Da wir jetzt sonnabends bis Mitternacht arbeiten müssen, haben wir auch nicht so viel vom freien Sonntag, weil man dann ja erst Mal ausschläft“, zitiert die Zeitung „Rzecz­pospolita“ eine geplagte Verkäuferin aus Lodz.

Auch Tankstellenbetreiber, die nicht nur mehr Lebensmittel, sondern auch andere Dinge zum Verkauf anbieten, gehören zu den Gewinnern. Auf der Verliererseite stehen dagegen kleine Geschäfte, von denen in diesem Jahr landesweit Hunderte dicht machten. Sowie die Betreiber der ganz großen Shopping Malls in Großstädten, die sich mit Kinos, Restaurants und anderen Attraktionen gerade auf die Sonntagskundschaft eingerichtet hatten.

Und es gibt noch eine ungeahnte Reaktion: Selbsternannte Wächter, die bei der Polizei oder der Handelsinspektion solche Läden anschwärzen, die trotz des Verbots sonntags öffnen. „Dank eines anonymen Telefonanrufs stießen wir auf einen Schnapsladen, dessen Inhaber sonntags eine Mitarbeiterin arbeiten ließ. Wir verhängten gegen ihn eine Geldstrafe“,  berichtet Piotr Gontarczyk von der Handelsinspektion im grenznahen Gorzów.

Die Hoffnung der Kirche auf mehr Besucher der Gottesdienste ist freilich auch kaum eingetreten. „Ich würde von einer geringen Zahl sprechen“, sagt der Słubicer Pfarrer Tomasz Partyka auf eine entsprechende Frage zurückhaltend. Doch dem Gottesdiener in dem Nachbarort von Frankfurt (Oder) ist zumindest etwas anderes positiv aufgefallen: „An den Sonntagen, an denen die großen Geschäfte geschlossen sind, gibt es nicht mehr so viel Autoverkehr in unserer Stadt.“