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Sorgen um deutsch-polnische Beziehungen
Versöhnung statt Reparationen

Bischof Jan Kopiec ist der Co-Vorsitzende des Kontaktgesprächskreises der deutschen und polnischen Bischöfe.
Bischof Jan Kopiec ist der Co-Vorsitzende des Kontaktgesprächskreises der deutschen und polnischen Bischöfe. FOTO: Jens Trenkler / dpa
Gleiwitz. Angesichts der von Teilen der polnischen Politik erhobenen Reparationsforderungen an Deutschland haben Polens katholische Bischöfe in einer Erklärung den hohen Wert der deutsch-polnischen Zusammenarbeit betont. „Der Aussöhnungsprozess, den wir in den vergangenen Jahren gemeinsam begonnen und konsequent realisiert haben, ist Vorbild für viele andere Staaten auf der Welt“, heißt es in einem Schreiben, das der Gleiwitzer Bischof Jan Kopiec als polnischer Co-Vorsitzender des Kontaktgesprächskreises der deutschen und polnischen Bischöfe und weitere Prälaten unterzeichneten. Von Benjamin Lassiwe

„Vergebung ist keine konjunkturelle, von aktuellen Umständen geprägte Entscheidung, sondern ein unwiderruflicher Akt der Barmherzigkeit, der die Gerechtigkeit nicht leugnet, sondern ihr vielmehr Tribut zollt.“

1965 hatten die deutschen und polnischen Bischöfe erstmals Kontakt miteinander aufgenommen. In einem Briefwechsel schrieben die polnischen Bischöfe damals folgenden Satz an ihre deutschen Amtsbrüder: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ Daraus entwickelten sich bis heute lebendige, gut nachbarliche Beziehungen zwischen den beiden Nationalkirchen, die in Europa als vorbildlich gelten.

Auch die Ostpolitik der damaligen Bundesregierung war von dem Briefwechsel der Bischofskonferenzen maßgeblich beeinflusst worden. In der katholischen Kirche Deutschlands genießen die guten Beziehungen zur polnischen Kirche deswegen bis heute hohe Priorität.

Der Kirche sei es seit Jahrzehnten ein Anliegen, Versöhnung und Frieden zwischen Deutschland und Polen zu fördern, betonte deswegen auch der katholische Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, in einer Reaktion auf die jüngste Stellungnahme aus Polen. Schick ist deutscher Co-Vorsitzender des Kontaktgesprächskreises. „Wir haben deshalb die Pflicht und das Recht darauf hinzuweisen, dass diese Errungenschaften nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen, sondern fortgesetzt werden müssen“, erklärte Schick.

„Die Bürger unserer Länder sehnen sich nach friedvollen Beziehungen und brauchen sie.“ Wenn Polen und Deutschland im Herzen Europas in Frieden und Solidarität zusammenlebten, trage das auch zur Stabilität ganz Europas bei und sei ein Hoffnungszeichen für alle europäischen Völker und Nationen. „Deshalb brauchen wir einen verantwortlichen Umgang mit diesen sensiblen Beziehungen.“

Ähnlich äußerte sich auch der Präsident der wichtigsten katholischen Laienorganisation in Deutschland, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Der nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete nannte den Appell „für uns Katholiken in Deutschland ein großes Hoffnungszeichen und auch eine Verpflichtung“.