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| 18:34 Uhr

Studie
Beim Kennenlernen Vorurteile abbauen

Besuche beim Nachbarn bringen einander näher:  Deutsch-polnische Polka beim Hanse-Stadt-Fest „Bunter Hering“ in Frankfurt (Oder).
Besuche beim Nachbarn bringen einander näher:  Deutsch-polnische Polka beim Hanse-Stadt-Fest „Bunter Hering“ in Frankfurt (Oder). FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus/Berlin. Eine Mehrheit der Deutschen und der Polen hat das jeweilige Nachbarland seit 1989 noch nicht besucht. KNA

Schwer vorstellbar in der Lausitzer Grenzregion, in Cottbus, Guben oder Forst, wo täglich viele Polen und Deutsche die Grenze überqueren, sei es zum Einkauf oder als Touristen: 66 Prozent der Deutschen und 70 Prozent in Polen haben seit 1989 ihr Nachbarland noch nie besucht. Das jedenfalls ist das ernüchtende Ergebnis des jüngst vorgestellten „Deutsch-Polnischen Barometers 2018“, einer Studie, die Institutionen beider Länder veröffentlichten.

Immerhin empfinden 56 Prozent der Polen Sympathie für die Deutschen, umgekehrt teilen allerdings nur 29 Prozent der Deutschen diese positive Einstellung gegenüber ihren Nachbarn.

Was dabei Hoffnung macht, ist, dass die Sympathie auf beiden Seiten von der Kenntnis des Nachbarlandes abzuhängen scheint. Von den Deutschen, die nach 1989 regelmäßig in Polen waren, empfinden 70 Prozent Sympathien, so das Ergebnis. Bei den regelmäßigen Deutschlandbesuchern aus Polen sind es 68 Prozent.

Allerdings belasten immer wieder Debatten über die Vergangenheit die Beziehungen. Die Forderung nach deutschen Reparationszahlungen für Verbrechen im Zweiten Weltkrieg unterstützen 46 Prozent der Polen. 40 Prozent sagen dagegen, das Thema sei abgeschlossen. Mehr als drei Viertel der Deutschen sind der Meinung, dass keine Zahlungen erfolgen sollten. Auch die Bundesregierung hält das Kapitel für abgeschlossen.

Ziemlich unterschiedlich fällt die Begeisterung für die Europäische Union in beiden Ländern aus. Danach sind die Polen mit 73 Prozent Zustimmung aber die überzeugteren Europäer als die Deutschen mit 54 Prozent.

Ziemlich einig ist man sich in Deutschland und Polen, dass sich die gegenwärtigen bilateralen Beziehungen auf die Gegenwart und Zukunft konzentrieren sollten. Das sagen 70 Prozent der Deutschen und 60 Prozent der Polen. In Polen denken 32 Prozent, dass historische Fragen Hauptproblem der Beziehungen sind, in Deutschland sind nur 13 Prozent dieser Ansicht. Auch der aktuelle Stand der Beziehungen wird dies- und jenseits der Grenze unterschiedlich bewertet. 54 Prozent der Polen bezeichnen das Verhältnis als gut, das sehen nur 31 Prozent in Deutschland so. Ein Besuch beim Nachbarn scheint auch hier die Einschätzung positiv zu beeinflussen. 51 Prozent der deutschen Polenbesucher nennen die Beziehungen gut. Von denen, die noch nie in Polen waren, finden das nur 28 Prozent.

www.koerber-stiftung.de/deutsch-polnisches-barometer