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| 12:15 Uhr

Polen pflegen alte Tradition
Ein Körbchen Heimat

 Festlich geschmückte Osterkörbe stehen in einer Kirche in Lublin bereit. Auch Polen in Deutschland pflegen diesen alten Brauch.
Festlich geschmückte Osterkörbe stehen in einer Kirche in Lublin bereit. Auch Polen in Deutschland pflegen diesen alten Brauch. FOTO: dpa / Wojciech Pacewicz
Polnische Auswanderer pflegen auch in Deutschland den Brauch der Osterspeisensegung. Von Julia Hercka

Es beginnt mit dem Kreuzzeichen. Nach Einführung, Lesung und Fürbitten folgt die eigentliche Speisesegnung. Für Brot, Fleisch und Eier werden Gebete gesprochen, sagt Boguslaw Ostafin, Pfarrer der polnischen Gemeinde in Mainz. Doch die Leute bringen auch andere Speisen. Häufig finden sich auch Salz und Pfeffer und ein Lamm aus Teig, Schokolade, Zucker oder Butter im Körbchen. Für ihn gehöre noch der Meerrettich dazu, sagt Ostafin. Nach den Gebeten würden die Gläubigen mit Weihwasser besprenkelt und gesegnet. Zum Ende der Fastenzeit komme mit dem Osterfest eine Zeit der „Fülle“, die sich in den Speisen ausdrücke, erläutert Ostafin. Es gehe um Erinnerung. Die Segnung des Fleisches erinnere an das Passahlamm – wie auch die Lämmer aus Butter, Teig oder Zucker. Die Segnung des Brotes erinnere an die Speisung Jesu in der Wüste.

Mit dem Verzehr der Gaben aus dem Körbchen wird bis zum großen Frühstück am Ostersonntag gewartet. Meist werden zuerst die Eier geteilt und Osterwünsche ausgesprochen. Das Teilen der Speisen erinnere an Jesus, der mit seinen Jüngern das Passahmahl gefeiert hat und an die Begegnung in Emmaus nach seiner Auferstehung. Jesus werde in die Häuser der Familien eingeladen, sagt Ostafin.

Die Segnung der Osterspeisen an Karsamstag sei in Polen mittlerweile Allgemeingut, berichtet Andrzej Kaluza vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt. Es gehöre sich einfach, an diesem Tag in die Kirche zu gehen. Ähnliche Rituale fänden sich auch in Teilen Österreichs, Bayerns und der Slowakei.

Nach einer Studie des polnischen Meinungsforschungsinstituts Cbos gingen 2018 mehr als 90 Prozent der Befragten zur Speisensegnung. Auch viele Polen, die in Deutschland leben und eine gewisse Distanz zur Kirche aufgebaut haben, würden zur „Swieconka“ gehen, sagt Kaluza.

„Wir staunen immer wieder, wie viele Leute kommen“, bestätigt Pfarrer Ostafin. Das Phänomen sei nicht nur unter den polnischen Migranten in Deutschland verbreitet. Auch in anderen Ländern wie den USA, Kanada, Norwegen und Island wird der Brauch von den Aussiedlern gepflegt. Glaube werde geprägt von dem Ort, an dem man aufwächst, sagt Ostafin. „Alle Menschen beten in ihrer Muttersprache.“

 Festlich geschmückte Osterkörbe stehen in einer Kirche in Lublin bereit. Auch Polen in Deutschland pflegen diesen alten Brauch.
Festlich geschmückte Osterkörbe stehen in einer Kirche in Lublin bereit. Auch Polen in Deutschland pflegen diesen alten Brauch. FOTO: dpa / Wojciech Pacewicz