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23 Verhaftungen
Polens Polizei gelingt Schlag gegen Traktorendiebe

Die Sicherstellung von mehr als 170 Maschinen und Traktoren ist das Ergebnis monatelanger Arbeit von Polizeibeamten aus Poznan unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Poznan (Posen).
Die Sicherstellung von mehr als 170 Maschinen und Traktoren ist das Ergebnis monatelanger Arbeit von Polizeibeamten aus Poznan unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Poznan (Posen). FOTO: Polizei Polen
Poznan/Eberswalde. In Polen hat die Polizei in den vergangenen Tagen eine Bande von Landmaschinendieben dingfest gemacht. 23 Personen wurden verhaftet. 170 Traktoren und Maschinen sichergestellt. Die Spur führt auch nach Brandenburg. Von Stefan Csevi und Bodo Baumert

Es ist ein großer Erfolg, den die polnischen Ermittlungsbehörden in den vergangenen Tagen präsentieren konnten. Monatelang sind sie einer Bande von Landmaschinendieben auf der Spur gewesen. Nun konnten die Polizisten unter Führung der Abteilung für Organisierte Kriminalität und Korruption der Wojewodschaft Wielkopolska der Staatsanwaltschaft in Poznan zuschlagen.

„Die Tätergruppierung entwendete die Landmaschinen vor allem in Deutschland und Großbritannien, aber auch in weiteren EU-Ländern“, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. In Polen wurden die gestohlenen Maschinen „legalisiert“, also mit gefälschten Fahrzeugpapieren ausgestattet. Dann wurden Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen an nichts ahnende Landwirte in Polen verkauft.

Die Maschinen wurden in ganz Europa gestohlen, in Polen frisiert und dann wieder zum Verkauf angeboten.
Die Maschinen wurden in ganz Europa gestohlen, in Polen frisiert und dann wieder zum Verkauf angeboten. FOTO: Polizei Polen

Gestohlen haben die Diebe ihre Traktoren wohl vor allem in Brandenburg, wie Ewa Bialik, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Poznan, auf Nachfrage bestätigt. „Eine stichprobenartige polizeiliche Überprüfung der in Polen aufgefundenen Maschinen ergab, dass Brandenburg mehrfach betroffen ist“, berichtet auch Ingo Kechichian, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) gegenüber der RUNDSCHAU. 72 Fahrzeuge, die in der EU gestohlen wurden, haben die Ermittler in Polen bisher identifizieren können. Alleine diese Maschinen haben einen Wert von mehr als 24 Millionen Zloty, was umgerechnet etwa 5,7 Millionen Euro entspricht.

Wie die Beweismittel zu den gestohlenen Traktoren zeigen, stammen diese aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark und Schweden.

Als Ergebnis von 23 Monaten Arbeit konnten in den vergangenen Wochen 23 Verdächtige verhaftet werden, darunter acht Personen, die auf frischer Tat ertappt wurden. Sie waren gerade dabei, zwei Landmaschinen zu verkaufen, die nur ein paar Stunden vorher in Deutschland gestohlen wurden. Den Angaben zufolge handelt es sich um drei Traktoren und einen Teleskoplader. Bei den Verhaftungen wurde auch Bargeld sichergestellt, umgerechnet rund 475 000 Euro.

In der Gruppe herrschte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler Arbeitsteilung: Einige stahlen die Maschinen, andere kümmerten sich um den Transport nach Polen, wo wieder andere sich auf die Legalisierung spezialisiert hatten. Sie fälschten Fahrgestellnummern und Papiere und ließen die Maschinen zu. Die Traktoren wurden dann über legale Firmen oder im Internet zum Verkauf angeboten. Seit 2010 soll die Bande so agiert haben.

Die Landmaschinen sollen nun den Besitzern in Deutschland und anderen Ländern zurückgegeben werden. Derzeit laufe noch die Überprüfung, heißt es beim Brandenburger Landeskriminalamt.

17 Personen sitzen derzeit in U-Haft. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Die Ermittlungen dauern an.

Hintergrund

Lausitzer Landwirte immer wieder im Fokus

Das Problem des Landmaschinenklaus beschäftigt Lausitzer Landwirte seit Jahren. Über 100 Fälle werden Jahr für Jahr in Brandenburg registriert, darin enthalten sind allerdings auch Diebstähle kleinerer landwirtschaftlicher Maschinen. Das ist zahlenmäßig ein geringes Aufkommen, verglichen mit anderen Kriminalitätsfeldern.

Allerdings gehen die Kosten für die betroffenen Landwirte schnell in die Höhe. Mit 150 000 Euro kann ein gestohlener Traktor zu Buche schlagen. Bauern in der Grenzregion haben längst reagiert, ihre Gehöfte mit Sicherheitstechnik, Zäunen und Mauern aufgerüstet. Dass ein Traktor abends auf dem Feld stehen bleibt, sieht man in der Lausitz kaum noch.

Die Polizei hat die Landwirte bei der Prävention beraten. Die Aufklärungsquote bei Traktorendiebstählen ist in den vergangenen Jahren allerdings gering gewesen.

Die Ermittler haben professionelle Banden hinter den Taten vermutet. Eine zutreffende Vermutung, wie der Erfolg ihrer polnischen Kollegen nun bewiesen hat.