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Ehrenbürger
Miroslav Klose – Botschafter der deutsch-polnischen Verständigung

..BU: Mirsolav Klose ist beigeistert von der Idee eines deutsch-polnischen Fußballtainings in den nach ihn benannten Miro Deutschen Fußballschulen...
..BU: Mirsolav Klose ist beigeistert von der Idee eines deutsch-polnischen Fußballtainings in den nach ihn benannten Miro Deutschen Fußballschulen... FOTO: Marie Baumgarten
Chronstau/Oppeln. Der Fußballer besucht in Polen die nach ihm benannten Fußballschulen. Mehr als 500 Kindern fiebern dem Besuch entgegen. Von Marie Baumgarten

Kein gewöhnlicher Tag für den rund 7000-Einwohner-Ort Chronstau in Oberschlesien. Mehr als 500 Kinder und ihre Eltern fiebern in der schmucklosen Sporthalle von Chrzastowice, so der polnische Ortsname, der Ankunft ihres Idols entgegen. Es scheint, das Warten will kein Ende nehmen. Doch dann tosender Beifall für Fußballstar Miroslav Klose. Ein Fußballfeld aus Sahne rollt herein, und während die Wunderkerzen darauf herunterbrennen und Parademärsche aus den Musikboxen tönen, singen die Menschen auf den Tribünen ein nachdrückliches „Hoch soll er leben“. Eigentlich nichts für den bescheidennen Miro Klose, das sieht man ihm an.

Schnell stellt Klose klar, dass es heute nicht um ihn gehen soll, sondern um seine kleinen Fans. „Ich bin wegen Euch gekommen“, sagt er zu den Jungen und Mädchen in den Fußballtrikots und legt ihnen ans Herz: „Geht jeden Tag trainieren, damit ihr jeden Tag ein bisschen besser werdet. Und es ist wichtig, dass ihr Spaß dabei habt.“ Jubel bei den Nachwuchskickern. Sie alle spielen in den „Miro Deutschen Fußballschulen“. 13 sind in den letzten drei Jahren in Polen auf Initiative der Deutschen Minderheit entstanden. Ein Angebot, das bei Deutschen und Polen gleichermaßen gut ankommt. Das Training findet zweisprachig statt.

Als Namenspatron kam nur einer infrage. Denn Klose ist nicht nur Fußballweltmeister und Torschützenkönig, sondern auch ein Schlesier. Er kam 1978 in Oppeln zur Welt. Seine Karriere begann aber erst in Deutsch-
land, nachdem er mit den Eltern und der Schwester 1985 als Aussiedler ausgereist war. Von der Idee der Miro Deutschen Fußballschulen ist Klose begeistert, denn auch er erzieht seine Kinder zweisprachig. „Das bringt später nur Vorteile“, ist der 39-Jährige überzeugt.

Mirsolav Klose hat an diesem Tag aber nicht nur die Kinder der deutschen Fußballschulen besucht. Für seinen Einsatz als Sportler und sein Fairplay ist ihm zuvor in seiner Geburtsstadt Oppeln die Ehrenbürgerschaft verliehen worden. „Oppeln und die Oppelner Region waren schon immer von vielen Kulturen geprägt, so ist Miroslav Klose als Ehrenbürger Oppelns nicht nur Botschafter unserer Stadt, sondern auch der deutsch-polnischen Beziehungen“, betont der Vorsitzende des Stadtrates Marcin Ociepa bei der Verleihung.

Die anschließende Dankesrede hält Klose frei in polnischer Sprache und nimmt damit Kritikern den Wind aus den Segeln. Viele Oppelner waren nicht damit einverstanden, dass ein deutscher Nationalspieler Ehrenbürger einer polnischen Stadt werden soll. Was für viele aber das Fass zum Überlaufen brachte: Klose hat erst nach drei Jahre den Titel persönlich entgegengenommen. Der Stadtrat hatte nämlich bereits 2015 die Ehrenbürgerschaft auf Antrag der Deutschen Minderheit positiv entschieden. Klose begründet das mit seinem Karriereende als Spieler und der nötigen Neuorientierung.

Auch wenn noch immer nicht alle kritischen Stimmen verklungen sind, Stadtpräsident Arkadiusz Wisniewski jedenfalls hat sich klar positioniert. Auf Facebook lässt er die ganze Welt wissen, dass er stolz ist auf den neuen Ehrenbürger seiner Stadt.